Das Vasa-Edikt

Die Vasa in ihrem Museum

Die aktive Geschichte des Kriegs- und Paradeschiffes Vasa des schwedischen Königs Gustav II. Adolf dauerte nur wenige Stunden. Sie steht aber wegweisend für die Zukunft aller Rüstungsanstrengungen auf unserer Erde. Wir haben uns deshalb entschlossen, mit dem Komitee für die Vergabe des Nobelpreises Kontakt aufzunehmen und ihm eine Zusatzakte zum Nobelstatut vorzuschlagen. Diese sollte für alle Staaten verpflichtend sein. Wir haben zuerst an die UNO gedacht, die aber leider vom amerikanischen Präsidenten nicht für relevant erachtet würde. Durch das Nobel-Komitee könnte er mit ins Boot geholt werden; in seiner Persönlichkeit Gustav Adolf nicht unähnlich, macht er sich doch Hoffnungen auf den Friedensnobelpreis.

Aber zurück zur Vasa und damit in das Jahr 1628. Gustav kämpfte auf der Seite der Protestanten im inzwischen 10 Jahren dauerten 30-jährigen Krieg. Er lag mit seiner Flotte vor Polen und brauchte dringend ein den Feind beeindruckendes Schiff. Das lag bereits nahezu fertiggestellt in der Werft von Stockholm. In Trump’scher Manier –  „I’m the greatest and need the greatest ship“ – ließ er kurz vor ihrer Vollendung der Vasa noch ein zusätzliches Kanonendeck einbauen. Ein imposantes Schiff. Man kann es noch heute in einem Museum betrachten, das um das gehobene Schiff herum gebaut wurde. Ein mächtiger Löwe als Galionsfigur, zwei Reihen riesiger Kanonen an den Längsseiten und an den drei Masten Platz für zehn Segel. Für den König ein wunderbares Loft und genügend Schlafplatz für die Mannschaft auf dem Holzboden zwischen den Kanonen. Am Tag des Stapellaufes war halb Stockholm am Hafen. Die Vasa, durch das zusätzliche Kanonendeck leider nicht mehr schwimmfähig, glitt majestätisch ins Hafenbecken, nahm langsam Fahrt auf, neigte sich wie grüßend zur Seite und war nach wenigen Seemeilen auf den Grund der Ostsee gesunken. Dort lag sie, bis sie vor einigen Jahrzehnten gehoben und zu 98% mit Orginalteilen restauriert wurde.

Dieser Vorgang ist einzigartig und gleichzeitig Vorlage für die zukünftige Produktion von militärischem Großgerät: Die Admiräle dürfen riesige Schiffe und U-Boote bauen. Diese müssen aber nach dem Stapellauf sofort sinken. Die Generäle dürfen mächtige Atomraketen bauen. Die Deckel auf den Abschussrampen werden aber verschweißt. Und die Luftwaffenadmiräle dürfen superschnelle Flugzeuge bauen, die zu schwer zum Abheben sind. 

Das Militär des Landes, auf dessen Boden der 30-jährige Krieg stattfand und das erfolglos zwei Weltkriege geführt hat, hat aus seiner Geschichte gelernt und geht mit gutem Beispiel voran. Bereits heute ist kaum eines seiner Großgeräte einsatzbereit. 

Das dem Nobel-Komitee von uns vorgeschlagene Vasa-Edikt macht dies zur verbindlichen Maßgabe für alle Staaten. Dies trifft sich übrigens gut mit dem 400-jährigen Jubiläum des Beginns des 30-jährigen Krieges, der nebenbei bemerkt durch den Prager Fenstersturz ausgelöst wurde. 

Die Medaille für die schnellste Umsetzung wird eine große, kreisrunde Scheibe aus Gold in Form eines Wasa-Knäckebrotes sein.

Um Unterstützung dieses friedenstiftenden Vorhabens wird gebeten!

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Schloss Gripsholm

Wir haben uns mal wieder Fahrräder geliehen. Das Pfingstwochenende steht bevor. Durch unser Italien-Trauma motiviert (geneigte, treue Bloglesende wissen, wovon ich rede – das hier bleibt im Übrigen unser einziger sprachlicher Genderversuch, versprochen!), machen wir uns rechtzeitig auf den Weg, Lebensmittel einzukaufen. Wir radeln die zwei Kilometer nach Mariefred direkt am Mälarensee entlang, vorbei am Värdshus, dem ältesten Gasthaus Schwedens. Bevor wir uns aber um die Banalitäten des Alltags kümmern, widmen wir uns erstmal der Kultur und Geschichte.

Schloss Gripsholm

Schloss Gripsholm, den meisten wohl eher durch Tucholskys Sommergeschichte bekannt, wurde 1383 als Burg errichtet. Bauherr war der schwedische Reichsrat und Großgrundbesitzer Truchsess Bo Jonsson aus dem Adelsgeschlecht der Grip. Das Schloss liegt auf einer kleinen Insel (schwedisch: holme) im Mälarensee. Lange hat sich der Herr Jonsson allerdings nicht daran erfreuen können. Er starb bereits drei Jahre später.  Er soll, nebenbei bemerkt, ein gieriger Halunke gewesen sein, der auch nicht davor zurückschreckte, einen Mord in Auftrag zu geben, um seinen Besitz zu mehren.

Heute ist im Schloss die staatliche Portraitsammlung mit mehr als 2000 Gemälden untergebracht. Die ist allerdings so lieblos arrangiert, dass man nicht auf den Gedanken kommt, irgendwer interessiere sich dafür oder hielte sie für sehenswert.

Einer der beeindruckensten Räume ist zweifelsohne das schlosseigene Theater.

Schloss Gripsholm ist heute eines der 11 offiziellen Königsschlösser Schwedens.

So, jetzt aber ab in den Supermarkt, bevor der seine Pforten für’s Wochenende schließt. Schließlich bekommen wir hier keine Pizza ans Auto geliefert.

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Wasser marsch!

Seit Beginn unserer Reise funktioniert die Wasserversorgung im Auto nicht. Das haben wir erst in Kopenhagen gemerkt. War ja vorher auch nicht notwendig. Unsere Suche nach einer Werkstatt dort blieb erfolglos. Also haben wir uns drauf eingestellt, in den nächsten Wochen das Wasser zum Kochen und Zähneputzen in Anderthalbliterflaschen bzw. im Falteimer aus den Sanitärräumen der Campingplätze zu schleppen. Gestern sah ich auf unserem Campingplatz in Söderköping die Werbung einer Wohnmobilreparaturwerkstatt in Norrköping. Heute sind wir auf dem Weg nach Mariefred (Schloss Gripsholm) dort vorbeigefahren. Und siehe da, sie hatten genau die benötigte Wasserpumpe vorrätig. Nur ein-bauen konnten sie sie wegen des übervollen Auftragsbuches nicht.

Aber, welch ein Glück, wir haben ja einen begnadeten Handwerker an Bord. Und schwuppdiwupps konnten wir am frühen Abend den süßen Klang fließenden Wassers wieder vernehmen. Werner sei Dank!

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Söderköping und ein olfaktierender Bauer

Göta-Kanal am Campingplatz in Söderköping

So ist das halt im Leben. Zum ersten Mal haben wir keine Fahrräder mit auf die Reise genommen und schon werden sie ständig gebraucht. Was wir an Leihgebühren ausgeben, sparen die Luftverwirbelungen des nicht mitgeführten Fahrradträgers allerdings nicht ein.

Söderköping hat einen angenehmen alten Charme. Durch die Stadt mäandert ruhig ein kleiner Fluss vorbei an vielen kleinen beschaulichen Plätzen. Manche der alten Straße haben Kulissencharakter und wurden tatsächlich auch für eine Astrid-Lindgren-Verfilmung genutzt.

Am Kanal entlang erstreckt sich eine kleine Touristenmeile mit den üblichen Angeboten, die man auch mit dem eigenen Schiff anlaufen kann. Ein echter Hin- oder ehrlicherweise eher Weggucker ist an dieser Stelle ein Hochhaus. Wir wissen jetzt wie es zu dem Begriff „Wohnsilo“ kam.

Da schon wieder mit dem Rad unterwegs, macht sich allmählich eine Leere in unseren Mägen bemerkbar. Eine Pizzeria lockt mit günstigem Dagensrätt (Mittagstisch). Wir bestellen in Ermangelung grundlegender Sprachkenntnisse auf gut Glück die „Pizza Rhodos“. Das hätten wir besser gelassen. Sie rumort auch am nächsten Tag noch als Klumpen in unseren Mägen.

Von Soderköping aus sind wir am nächsten Tag entlang des Göta Kanals nach Mem geradelt. Ohne allerdings wirklich zu wissen, dass wir dort hinradeln. Wir sind halt einfach los. Und zwischendurch hatten wir das Gefühl, gleich am Ende der Welt anzukommen. Über weite Strecken sieht man keine menschlichen Siedlungen. Und dann: eine kleine Marina, eine Schleuse, ein Campingplatz mit genau vier Stellplätzen, ein Vandrarhem (Herberge), ein paar Häuser und ein Zugang zur Ostsee. Tagesziel erreicht. Im Vandrarhem bekommen wir kurz vor Ladenschluss um 16 Uhr (!) noch ein Bier und ein paar Kekse zur Stärkung. Nach einer ausgedehnten Pause auf der „aussichtsreichen“ Terrasse geht’s zurück.

Er hat einen Blick auf unsere Kekse geworfen.

Am nächsten Tag brechen wir auf. Der Campingplatz hält uns nicht wirklich hier und der stark olfaktierende Bauer auf der anderen Seite des Göta Kanals gibt uns den Rest. Er scheint seine Felder jeden Tag auf’s neue mit Gülle zu düngen. Echt nicht auszuhalten!

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Karlskrona

Irgendwie tun wir uns gerade ein bisschen schwer, über die Orte, die wir in der Zwischen-zeit besucht haben, zu schreiben. Vermutlich liegt’s daran, dass uns die zumeist unglaublich schön gelegenen Campingplätze und die Landschaft hier so in ihren Bann ziehen.

Der Campingplatz in Karlskrona verteilt sich über eine ganze Schäreninsel. Man kann dort wunderbar spazierengehen. Im Wald stehen für die Kids überall kleine Trollfiguren rum. Einen Schnullerbaum gibt’s auch. Lauschige Plätzchen, an denen man völlig allein sein kann oder Verliebte vor sich hinträumen können. Es gibt Flecken, an denen man enger zusammenlebt, aber auch entlegenere Stellplätze. Ein Restaurant mit einer wirklich guten und für schwedische Verhältnisse preisgünstigen Küche verleitet uns, uns mal bekochen zu lassen. Wir sitzen zum Essen auf der Terrasse und schauen nebenbei der Sonne über dem See beim Untergehen zu. Am nächsten Morgen sehe ich ihr von meinem Bett aus beim Aufgehen über dem anderen See zu. Dabei fällt der Blick auch auf das meist fotografierte Schäreninselchen Schwedens mit den typischen kleinen schwedisch-roten Holzhäusern. Meistens verdunkle ich dann aber schnell die Fenster. Das ist mir alles viel zu früh!

Christi Himmelfahrt war an diesem Ort allerdings nicht so prickelnd. Der Platz war völlig ausgebucht und man hatte zwischenzeitlich das Gefühl, auf einem Rummel zu sein. Aber die zwei Tage gingen schnell vorbei. Ein bisschen hat’s uns Leid getan für den anwesenden arbeitenden Teil der schwedischen Bevölkerung, der sich auf ein verlängertes Wochenende mit seinen Kindern gefreut hat. Sie haben ausgerechnet die bislang einzigen zwei Tage mit Wolken und Regen auf unserer Reise erwischt.

Karlskrona verteilt sich über mehrere durch Brücken verbundene kleine Inseln. Wir waren zwar eine ganze Woche dort, aber nur zweimal in der Stadt selbst. Der Campingplatz hat uns einfach sehr gefallen. Beim ersten Mal mit dem lokalen ÖPNV, um bei Lidl für’s Wochenende einzukaufen. Das Problem Fahrausweis hatte sich ganz schnell erledigt. Der äußerst freundliche Busfahrer (Migrationshintergrund, genau wie wir) hat unsere Tickets kurzerhand selbst bezahlt. Das mit den Tickets im Bus ist nämlich nicht so einfach. Der Schwede an sich macht sich ja, wie wir aus der Presse wissen, Gedanken sein Bargeld abzuschaffen. (Anmerkung: Wer bezahlt den Haste-mal-zehn-Kronen-Zeitgenossen eigentlich die Kartenlesegeräte?) Aber zurück zu den Tickets: Es scheint Karten zu geben, über die Fahrten irgendwie einzeln abgerechnet werden. Touris wie wir können mit ihrer BankCard und der PIN bezahlen. Da freuen sich unsere Banken doch über die Einnahme weiterer Gebühren. Aber egal. Wir wollten ja von Karlskrona erzählen. Also: da gibt es nicht viel zu erzählen.

Beim zweiten Mal sind wir für unsere Sightseeing Tour auf’s Leihrad umgestiegen. Auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber immerhin bekommt die Bank nicht ganz so viel ab.

Karlskrona hat einen beeindruckend großen Marktplatz. Auf jeden Fall sehenswert sind hier die Dreifaltigkeitskirche und Frederikskirche. Letztere dient heute nicht nur der Gottesverehrung, sondern auch ganz profanen weltlichen Dinge wie Konzerten und Kunstausstellungen. Und lecker Eis scheint es an diesem Ort auch zu geben. In die etwa 30 Meter lange Warteschlange haben wir uns aber nicht eingereiht. Also selber mal probieren, wenn Ihr hinkommt. Und sagt es uns nicht, falls sich das Anstellen gelohnt hätte.

Karlskrona wurde als Marinestüztpunkt aufgebaut, weil es meistens eisfrei war. Die kleinen Schäreninsel stellten einen natürlichen Schutz gegen feindliche Schiffe dar. Die alte Festungsmauer ist noch erhalten. Ebenso militärische Gebäude, die heute teilweise zivil genutzt werden.

Marinemuseum Karlskrona

Lohnenswert ist ein Besuch des Marinemuseums. Nicht nur, weil man sich im angegliederten Restaurant für nur 100 SEK (etwa 10 €, all you can eat) den Wanst mit verteufelt leckeren Speisen vollschlagen kann, sondern auch, weil es hier so einiges zu sehen gibt. Unter anderem kann man sich in ein U-Boot begeben und mit ein bisschen Fantasie nachvollziehen, wie sich die Jungs darin tief unter der Wasseroberfläche gefühlt haben könnten.

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Neue Erkenntnis der Physik

09:43 Uhr. Zeit für den ersten Kaffee des Tages. Ahh, verflixt! Warum muss der bloß immer so heiß sein? Muss er ja nicht. Man kann ja zum Beispiel auch kurz mal auf 5000 m hochklettern oder so. Dann kocht er schon bei 80°. Das liegt an der „dünneren“ Luft, sprich dem geringeren Luftdruck. Frage man mich bloß nicht, wie wir an diesem Punkt unseres anspruchsvollen Gesprächs auf Luftballons gekommen sind. Jedenfalls sagt Werner, … Also Werner ist ja bekanntlich Lehrer gewesen und er behauptet immer: „Ein Lehrer weiß alles!“ Was ich aus Erfahrung übrigens im Stillen für mich gern mit „besser“ ergänze. Also jedenfalls sagt Werner, das sich zum Beispiel ein Luftballon, je höher man geht, ergo bei sinkendem Luftdruck, ausdehnt.

Und jetzt wird’s interessant: Wir sind ja rauf (!) in den Norden gefahren. Wir sind also, wenn man sich eine Landkarte vorstellt, hier höher als zuhause in Berlin. Und Werner erklärt mir jetzt, dass sein Bauch eigentlich gar nicht dick ist, sondern dass er sich nur wegen des geringeren Luftdrucks ausdehnt. Müsste also unten in Berlin wieder kleiner sein. Da frage ich mich doch, warum er nicht nach Kapstadt fährt.

Notabene: So unter uns gestehe ich, dass ich tief in meinem Inneren nicht zu leugnende Zweifel hege, dass ein Lehrer immer alles weiß. Aber sagt es ihm nicht.

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Schantalle

Ich nehme sie immer mit auf Reisen, meine Schantalle. Ich kann einfach nicht ohne sie. Sie nachts in meiner Nähe zu spüren, macht alles viel leichter, gibt mir Kraft. Ich brauche sie wie die Luft zum Atmen.

Weit vor der Zeit werde ich heute Morgen plötzlich aus dem Schlaf gerissen. Irgendwas stimmt nicht. Mein besorgter Blick fällt auf Schantalle neben mir. Sie regt sich nicht. Kein Lebenszeichen. Sie hat ihre zärtlichen Bemühungen, mir angenehme Nächte zu bereiten von jetzt auf gleich eingestellt. Was ist passiert? Ich reiße sie mir von der Nase. Ich rüttele an ihr, an ihren Steckverbindungen. Nichts. Sie gibt keinen Mucks von sich. Das darf nicht wahr sein! Ich kann doch nicht ohne sie! Dann macht das hier alles keinen Sinn mehr. Dann will ich nur noch nach Hause. Da könnte ich mir dann die Nächte mit ihrer Kollegin teilen.

Aufgeregt winde ich mich vom Hochbett, rutsche fast aus. Der Stecker steckt. Ist ihr die Sicherung durchgebrannt? Nächste Steckdose. Nichts. Ich bin der Verzweiflung nahe. Sehe uns schon auf dem Heimweg. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Gehe erstmal duschen, um runterzukommen.

Der Morgen graut noch. In der Dusche ist es dunkel. Sie haben wohl vergessen das Licht zentral einzuschalten. Na ja, wird auch so gehen. Ist heute eh schon egal. Irgendwann flackert das Licht auf. Ah, sie haben es gemerkt und das Licht eingeschaltet. Dann wird’s wieder dunkel. Und wieder flackert das Licht auf, bis es endlich dauerhaft leuchtet. Ich merke deutlich, wie ich mich langsam entspanne.

Zurück zum Wohnmobil laufe ich fast. Die Hoffnung treibt mich an. Ich greife nach Schantalle, halte sie mir sehnsuchtsvoll an die Nase. Sie atmet!

Stromausfall.

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Ideen haben ist nicht schwer – Model sein dagegen sehr!

Unser Campingplatz in der Festung von Charlottenlund am nördlichen Stadtrand von Kopenhagen  ist umgeben von einem Wassergraben, Wällen, Kanonen und Flak. Auf keinem anderen Campingplatz haben wir uns bislang so sicher gefühlt. Das klingt martialisch, das Gegenteil ist aber der Fall. Der Campingplatz wird von der Gemeinde bewirtschaftet und ist rund um die Uhr für alle zugänglich. Hier treffen sich die Menschen, die hier wohnen, um sich in die Sonne zu legen, im Meer zu baden oder im Restaurant mit Meerblick zu dinieren. Die alten Bunker wurden zu durchdachten und anspruchsvollen Sanitäranlagen, erstklassig ausgestatteten Küchen und reizvollen Gemeinschaftsräumen mit hoher Aufenthaltsqualität ausgebaut.

Mit dem Linienbus machen wir uns auf den Weg in die Kopenhagener City. Zu Fuß geht’s weiter vorbei an der Frederikskirche, dem Schloss Amalienborg und dem Opernhaus durch den Touristen-Hotspot Nyhavn. Die Kleine Meerjungfrau lassen wir heute mal links liegen. Sie hat ohnehin genug Gaffer und wird sich vermutlich in den vergangenen 30 Jahren nicht wesentlich verändert haben.

Nyhavn

Allmählich nähern wir uns einem ehemaligen Militärgelände auf den historischen Wall-anlagen Kopenhagens: der Freistadt Christiania – Anfang der 1970er Jahre gegründet, viele Kämpfe gefochten und noch immer quirlig.

Ich  bin nach mehr als dreißig Jahren zum zweiten Mal hier. Damals mit dem Fahrrad, heute mit dem Wohnmobil. The times they are a-changin‘.

Mariuhana-Düfte liegen nach wie vor in der Luft. Ansonsten hat sich für den Betrachter doch so einiges verändert: ein kleiner Park wechselt sich ab mit ruhigen Wohnstraßen und einem Kneipenviertel. Zu manchen Bereichen hat der Tourist keinen Zugang. Soweit sind wir in Berlin noch nicht!

Laut Wikipedia gibt’s hier mittlerweile neben vielen anderen Einrichtungen auch eine eigene Stadtreinigung. The timest they are a-changin‘.

Am Ende unserer Touri-Gaffer-Tour durch Kristiania sind wir völlig fertig und kaufen uns im örtlichen Tante-Emma-Laden jeder eine Flasche Tuborg-Pils. Ich erinnere mich an den riesigen Tuborg-Schriftzug auf dem Brauereigebäude auf dem Weg zu unserem Campingplatz. Zeitgleich kommt mir das alte Blechschild „Der durstige Mann“ in den Sinn, auf dem sich ein älterer Herr mit ansehnlicher Leibesfülle den Schweiß mit einem weißen Tuch abwischt und für Tuborg wirbt.

Während wir so in der Sonne Tuborg schlürfend unseren Gedanken nachgehen, fällt uns auf, dass wir zwar noch keine alten Männer sind, figurmäßig mit dem Herrn auf dem Schild aber schon fast mithalten können. Vielleicht sollten wir es mal mit einer zeitgemäßeren Neuauflage des Motivs versuchen? Natürlich nur für den privaten Gebrauch.

Und wen trifft es natürlich wieder, das Model zu geben? Gggrrrr!!!

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Royales

„Erste Fotos der Familie – Prinz Louis im Schmusemodus (…)
Sie zeigen: Schwester Charlotte hat ihren Bruder Louis schon ins Herz geschlossen“.
Diese Meldung im Spiegel online hat mich nun doch sehr verwundert. Dass Louis gerne ein Prinz wäre – nun gut, jeder hat heimliche Träume. Von einer Schwester Charlotte allerdings habe ich noch nie etwas gehört. Und dann noch im Schmusemodus! Ich wollte das mal überprüfen und versuchsweise auf sein Hochbett klettern. Ich kam nicht mal bis zur Kante: „Wenn du nicht sofort in deinem Regal verschwindest, hat es sich sowas von ausgeschmust in den nächsten Wochen, dass du nicht mal mehr an eine Charlotte denken magst“. Soviel zum Schmusemodus. Dabei hätten wir so ein schönes Bild abgegeben. Da bin ich mir sicher. Und manche/r hätte gedacht: „Wusst‘ ich’s doch!“.
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Historische Toiletten und reiseleitende Navis

Vor dem Frühstück: In Schlafanzug und Windjacke Steine sammeln am hauseigenen Strand. Wann hat man das schon?

Nach dem Frühstück: Exkursion nach Oldenburg in Holstein.
Zugegeben: Wir sind ein wenig enttäuscht. Viel norddeutsche Einheitsbrei-Architektur der achtziger und neunziger Jahre und die landesweit sattsam bekannten Billigläden prägen das Stadtbild. Die durchaus sehenswerte Johanniskirche und ein paar Sträßchen in ihrer Nähe bleiben die Ausnahme.

Baumstamm im Garten der St. Johannis-Kirche

Hungrig gemacht hat uns unser kleiner Stadtrundgang dennoch. Leider scheint auch Lukullus diesen Ort gemieden zu haben. Wir versuchen es in einer kleinen Selbstbedienungspizzeria. Heute ist Eröffnungstag. Alles zum halben Preis. Vor uns fünf Gäste, die dem Pizzabäcker erwartungsvoll auf die Finger schauen und auf ihre bestellten und bezahlten Mahlzeiten warten. Der Pizzabäcker scheint sich von jeder einzelnen Scheibe Salami  nur schweren Herzens und in aller Seelenruhe verabschieden zu können. In der Schlange an der Kasse zwei Kunden im Bestellprozess. Der Mann an der Kasse scheint ist eindeutig überfordert mit seinen neuen Anforderungen und sucht gefühlte Ewigkeiten auf der Speisenkarte nach den bestellten Gerichten. Zwischen den Wartenden eine weitere Mitarbeiterin auf der Suche nach ihrer Aufgabe.

15 Minuten später: Vor uns fünf Gäste, die beim Pizzabäcker auf ihre bestellten Mahlzeiten warten, zwei Kunden im Bestellprozess. Wir entscheiden uns für griechisch. Auf der anderen Seite des Marktplatzes werden wir fündig. Öffnungszeiten: 12:00 bis 14:00 Uhr und 17:30 bis 22:00 Uhr. Es ist fünf vor zwei.

Letzte verbleibende Alternative: „Mephisto – Internationale Spezialitäten“. Wahrscheinlich sieben Spezialitäten aus 13 Ländern unken wir. Und so kommt’s dann auch. Beates Pizza ist als solche kaum zu erkennen; meine Lasagne könnte auch als Nudelsuppe in einer flachen ovalen Auflaufform durchgehen. Nur Werner mampft unter unseren neidischen Blicken genussvoll seinen Makkaroni-Brokkoli-Auflauf.

Zeit zum Aufbruch; die Parkuhr ist längst abgelaufen. Werner scheint uns – nicht ganz uneigennützig – trösten zu wollen und schlägt einen Stopp-over beim Eismann vor. Hätte er besser nicht getan. „Das mieseste Eis, dass ich in den letzten 20 Jahren geschleckt habe“ lautet seine prägnante enttäuschte Bewertung.

Im Oldenburger Wallmuseum

Aber es ist ja nicht alles schlecht in Oldenburg i. H. Das „Oldenburger Wallmuseum“ zum Beispiel. Noch nicht ganz fertig, aber liebevoll angelegt werden wir auf unserem aus-gedehnten Rundgang über die Slawen und ihr Treiben informiert. Die freundliche Dame am Ausgang beantwortet bereitwillig die letzten offenen Fragen. Beispielsweise die nach der Funktionsweise der antiken Außentoiletten, die wir auf unserem Rundgang entdeckt haben. Wir lassen uns belehren, dass diese ausgehöhlten Baumstämme als Unterbau für Bienenstöcke dienen. Ja, und? Wir sind eben Großstädter!

Antike Außentoilette?

Und auch unser Navi hält an diesem Tag noch eine letzte Überraschung für uns bereit. Gefühlmäßig hätten wir den Parkplatz rechts abbiegend verlassen. Aber, da wir ihm für die Rückfahrt „Autobahnen meiden“ vorgegeben hatten siegt trotz gegenteiliger Erfah-rungen unser Vertrauen in die moderne Technik. Ergebnis: nach etwa zwei Kilometern sind wir dort, wo wir einfach vom Parkplatz hätten rechts abbiegen sollen. Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Dieser anstrengende Reisetag findet seinen würdigen Abschluss bei perfektem Sonnenuntergang auf der Terrasse.

Feierabendstimmung auf Graswarder

 

 

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Es geht wieder los!

Schweden ruft. Fritz kommt frisch aus der Waschanlage und wartet jetzt noch auf die Sommerbereifung. Dann kann es Ende April endlich wieder losgehen!

Wir werden es langsam angehen: Zunächst geht’s für eine Woche nach Graswarder (Heiligenhafen). Dank an Susanne und Holger, die uns Unterschlupf in ihrem Ferienhaus gewähren.

Von Puttgarden (Fehmarn) aus werden wir dann nach Rödby (Dänemark) übersetzen und weiter über die Öresund-Brücke von Kopenhagen Richtung Malmö (Schweden) fahren. Einzig Stockholm ist als Zwischenstopp in Schweden angedacht. Alles weitere wird sich spontan nach Stimmungs- und Wetterlage ergeben. Anfang Juni werden wir zurück sein.

Und wir lesen uns hier Anfang Mai wieder!!

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Ainsa

Aínsa

Aínsa haben wir auf abenteuerlichem Weg, oder besser Straße, erreicht. Die Navigatiorin führte uns über eine Route, an deren Ende wir für zehn Kilometer zwei Stunden brauchen sollten. Es ging durch ein Tal immer tiefer und höher in die Pyrenäen. Kurvige Straßen, schöne Natur und grandiose Ausblicke auf die schneebedeckten Gipfel. Kiefern, an denen die Verpuppungsnester der gleichnamigen Spinner hängen, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Vögel und kleine Echten. Am Ende war die Navigatorin so fertig, dass sie uns für die letzten Kilometer, wahlweise zwischen zwei und zweihundert Kilometer, jede beliebige Zeit einräumte.

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Aragon

unterwegs in Aragon

Was für eine Gegend. Zum Motorrad fahren, zum Wandern, zum Gucken. Die Kornkammer Spaniens. Reifer, goldgelber Winterweizen, grünlich-gelber Roggen und Gerste, Hafer. Ganze Flächen, die von einem einmal größeren Fluss wie ausgestanzt plötzlich vor einem auftauchen. Dörfchen, die auf Hügeln liegen und langsam vor sich hin verfallen. Bewaldete Berghänge, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen. Ein Städtchen auf einem Plateau restauriert und bewohnt. Louis, der Fritz sicher und ohne großes Geruckel durch die Landschaft fährt, so dass ich tippen kann. So kann eine Gegend sein. Anders als Andalusien, die Extremadura und auch anders als Galizien. 

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Kropfschuld

Kropf-Selfie

Ich hab einen Kropf. Seit neuestem. Er hängt von meinem rechten Ellbogen runter wie ein kleines Hühnerei ohne Schale. Louis hat ihn entdeckt und letztendlich hat er auch Schuld. Erst war ich ganz erschrocken. Wer hat schon einen Kropf am rechten Ellbogen. Dann habe ich daran rumgetastet. Es fühlt sich weich und abgegrenzt an. Da war meine Sorge schon wieder etwas kleiner. Kein Krankenhaus. Erstmal. Ich operiere gern selbst. Vor meinem inneren Auge hielt ich schon eine Nadel über’s Feuerzeug und wusch mir die Hände. Und Louis ist schuld daran, weil er will, dass ich, egal wie spät, nachts nach Hause komme.

(Anmerkung des Lektors: Hä? Du bist doch schon groß, oder?)

Also bin ich zur U-Bahn gerannt, mit glücklichem Bierkopf,

(Anmerkung des Lektors: Aha, da haben wir’s ja!!!)

habe die 180° Wende übersteuert und bin, den Kopf auf Stufenhöhe voraus, die Treppe runter. Und das nur, um die letzte Bahn in Valencia zu schaffen. Um ihn zu schützen nahm ich die Arme vor den Kopf. Eine kleine bis fast auf den Ellbogen aufgeplatze Wunde war die Konsequenz. Später stellte ich fest, dass auch noch ein Stückchen Knochen abgeplatzt war. Und jetzt hab ich einen Kropf am rechten Ellbogen. Und ich weiß, wer eigentlich Schuld ist. Das beruhigt.

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Sommergrippe

Unser Blick von der WoMo-Terrasse macht die Sommergrippe auch nicht angenehmer

Jetzt hat es auch Louis erwischt. Sein Hals kratzt, er kann schlecht schlafen. Es ist ihm gelungen, die Kratzbürste von Campingplatzwärterin davon zu überzeugen, dass sie ihm ein Medikament aus der Stadt mitbringt.

(Anmerkung des Lektors: Die zunächst sehr reserviert, distanzierend und bestimmend wirkende „Kratzbürste“ erwies sich als sehr nette, kommunikative und vor allem hilfsbereite Frau. Ich musste sie auch nicht „überzeugen“, sie bot sich an, mir dieses Medikament mitzubringen. In meinem geschwächten Zustand wusste ich es sehr zu schätzen, nicht den langen und mühsamen Abstieg ins Städtchen und Wiederaufstieg zum Campingplatz bewältigen zu müssen. Aber: meine erster Eindruck deckt sich mit dem des Autors. Wohl der Tatsache geschuldet, das anstelle des üblichen „Herzlich willkommen“-Schildes an diesem Campingplatz Schilder mit Verhaltensanweisungen angebracht waren.)

Man darf anerkennen, dass er ein erstklassiger Sozialarbeiter ist („Wer glaubt, dass Sozialarbeiter sozial arbeiten, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet“. sic.). (Anmerkung des Lektors: Ppfff! Lehrer!)

Die Wetteraussichten in Asturien sind nicht erfreulich. Diese Zeit zählt deshalb auch zur „Vornebensaison“. Die Nebensaison beginnt erst im Juni. Wann dann die Hauptsaison beginnt – keine Ahnung.

(Anmerkung des Lektors: Die Hauptsaison ist von Juli bis September)

Und es braucht dann noch Platz für eine weitere Nebensaison. Jedenfalls sind wir wettertechnisch zu früh dran. Man kann nochmal kommen, später im Jahr. Nicht unbedingt in diesem. Nach Galizien, nach Santiago de Compostella. Zum Muschelessen (kleiner Scherz an Rande).

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Luarca

Blick auf Luarcas Hafen

Spanien hat alles was es braucht. Von Andalusien für Südländer, bis Galizien, für Schwaben. Alles da. Tolle Landschaften, beeindruckende Geschichte, Kunst und Kultur, Energie, Menschen und Kontakte zur ganzen spanischsprachigen Welt. Zu viel hat es von Katholizismus und Autoritarismus.
Ich kenne jemanden, die liebt das Meer und den Strand, den Wind, das Wetter, den Sonnenschein. Aber vor allem das Geräusch der Wellen, wenn sie auf den Sand schlagen und langsam auslaufen. Die Ruhe am Abend, wenn nur noch dieses ewige Spiel der Wellen zu hören ist und hin und wieder der Schrei einer Möwe. Der Weg zum Strand ist weit. Ich weiß. Und nicht immer möchte man ihn allein gehen. Aber es geht. Man kann’s probieren. Es muss ja nicht gleich Südwestschwaben (Galizien) sein.
Vollkommene Windstille. Der kleine Leuchtturm im Hafen blinkt rot, eins, zwei, Pause. Der Große über der Steilküste lang, kurz, kurz, lang. Ich schnaufe mit Sommergrippe, selbstlaufender Nase und Fieber die steile Straße. Versuche eine Abkürzung über Kirche und Friedhof und muss doch außen herum. Links geht es felsig steil runter, dann ein niederes Mäuerchen, mit Bier im Kopf (ich), führt die Straße, felsig und steil nach oben. In der Ferne sehe ich Lichter. Könnte der Campingplatz sein. Könnte. Ist. Manchmal ist der Weg zum Meer ein Rundweg. Man geht hin, verweilt so lange man möchte und kehrt dann wieder zurück. Menschen aus dem Schwarzwald oder anderen Mittelgebirgen machen das so. Oder könnten.

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Bio-Waschanlage

Unser Blick von der WoMo-Terrasse

Den Blick auf’s Meer, den wir direkt von unserer WoMo-eigenen Terrasse aus genießen können, hatten wir uns so grandios nicht vorgestellt. Wir sind zufrieden. (Wie sagt doch der Berliner? „Nicht gemeckert ist genug gelobt.“)

Hier an der Biskaya ist offensichtlich noch keine Saison. Es sind nur wenige Camper auf dem Platz, das Restaurant noch geschlossen. Wir genießen die Ruhe.

Nicht nur die Ruhe, auch die für uns derzeit kühlen 24° am späten Nachmittag. So hatten wir uns das gewünscht. Aber irgendwas ist bei der Order schief gelaufen. Statt Sonne für die Passagiere, gibt’s zur Begrüßung eine ordentliche Dusche für Fritze. Okay, er hat’s wirklich nötig. All die vielen (lauten) Singvögel und (verflixten) Ringeltauben haben ihm doch zugesetzt. WoMo-Waschstraßen sind uns noch nicht begegnet – außer dieser Bio-Waschanlage hier – und Teleskopbürsten und -schwämme haben wir (noch) nicht. War ja beim alten Fritz auch nicht nötig. Dem konnten wir noch ohne diese Hilfsmittel an die Wäsche gehen.

Übrigens: die Verluste des Andalusien-Dreiecks machen sich schmerzlich bemerkbar. Ein Auffahrkeil reicht hier einfach nicht aus. Ich hab’s ja noch gut. Ich schlafe im Loft und kann nicht aus dem Bett kullern. Aber bei Werner wird’s wohl drauf hinauslaufen, dass er seine Gute-Nacht-Lektüre mit den Füßen lesen muss. (Verstehen tu ich das jetzt auch nicht, aber er wird schon wissen, was er meint.) Jedenfalls kann ich ja zur Sicherheit mal seine Regaltür von außen verriegeln. Dann kann er zumindest nicht aus dem Bett fallen.

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Camino de Santiago

Am Camino de Santiago

Angesicht des tiefer gelegten Weges und der engen Verhältnisse haben wir uns entschlossen, das Fritz-Kraut-Pilgern fortzuführen. Hier im Dorf wollte man uns keinen Stempel in unser Heftchen machen. Deshalb werde ich nachher, bei der wöchentlichen Gruppensitzung, den Antrag einbringen, eine eigene Organisation für Wohnmobilpilger zu gründen: Camino de Wohnmobil internacional. Die Hälfte der Stimmen ist mir schon so sicher. Da ich gerade zu Fuß ins nächst gelegene Dorf wandere, werde ich für die anderen 50% Bier und Wein als Argumentationshilfe mitbringen. Drückt mir die Daumen, dass es klappt. In Berlin wird dann, Gelingen vorausgesetzt, jeder gedrückte Daumen mit einem Sektfrühstück belohnt. Der Daumen ist mitzubringen.
Mal ganz abgesehen von der neumodischen Geschichte mit dem Viralgehen, bleibe ich dabei, genial zu gehen. Und das mit der Wohnmobilpilgergemeinschaft, ist nur eine meiner genialen Ideen. Mitglieder*innenausweise werden bei einem Monatsbeitrag von 1,– € ausgestellt. Mindestmitgliedsdauer ein Jahr. Gestempelt wird vor Ort. Wer einen Campingplatzbetreiber zum Mitmachen und Stempeln bewegt, bekommt nach Vorlage des gestempelten Ausweises den halben Jahresbeitrag erstattet.

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Werner ist weg

Im Andalusien-Dreieck ist uns ja, wie bekannt, noch mehr abhandengekommen: unser Werner! Zuletzt gesehen haben wir ihn am 8. Mai am Bahnhof in Granada. Seitdem ist er weg. In die Extremadura wollte er und sich dem Leben des wandernden Lonesome Wolf hingeben. Ein mitunter recht karges und kräftezehrendes Leben führt er dort. Sagt er zumindest. Und sicherlich hat er wahnsinnig viel Gewicht eingebüßt. Jetzt wollen wir ihn aber langsam zurück. Und zwar den ganzen Werner. Das ganze Gewicht. Da füttern wir den Kerl, damit er was auf die Rippen kriegt und dann verliert er das alles wieder in der Extremadura? So ja nun nicht!

Also, lieber Werner, wir sehen Dich am Montag in Aranjuez. Und dann kannst Du uns ja auch mit Deiner Mittelmeer-Diät erfreuen.

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Andalusien-Dreieck

Fahndungsfoto

Das Bermuda-Dreieck, bei dem ganze Schiffe auf Nimmerwiedersehen abtauchen, gibt’s offensichtlich auch beim Camping. Zumindest in abgespeckter Form. Denn vom Verschwinden ganzer Wohnmobile habe ich hier bisher noch nichts gehört. Ich nenne das hiesige Phänomen trotzdem mal das Andalusien-Dreieck (Grananda – Tarifa – Cádiz). Untersucht hat dieses Phänomen wohl noch niemand. Dass es aber real existiert, wissen wir, denn wir leiden darunter. Wie gesagt: nicht, dass gleich das ganze Wohnmobil abhandengekommen wäre, nein, es fehlen lediglich:
eine graue Herrensocke, Marke „nur der“, Größe 43 bis 46,
ein Häring,
ein grauer Auffahrkeil (Marke „Fiamma“),
(Ist echt blöd, wenn der Campingplatz abschüssig ist und man des Nachts aus dem Bett zu rollen droht.)
eine Mütze (Schiebermütze, grau gemuschelt, Größe 60)
(Ja, ja, ich bin ein Dickkopf, aber viel mehrt nervt mich, dass die ungebremste Sonneneinstrahlung nicht nur der Kopfhaut nicht gut tut!)
und ein Geschirrtuch (Microfasergewebe, blau, Marke unbekannt).

Die graue Herrensocke Marke „nur der“ ist wieder aufgetaucht. Ein etwas ungeduldiger Herr hat sie noch einmal gewaschen. Lag’s am Geruch oder war es seiner Sehkraft geschuldet? Jedenfalls konnte er’s nicht abwarten, bis wir die Waschmaschine selbst ausräumten und hatte das für uns erledigt, um endlich waschen zu können. Verständlich, denn es gibt hier auf dem Campingplatz in Dos Hermanas nahe Sevilla nur eine Waschmaschine für 210 Stellplätze.
Der Häring ist das eigentliche Bermuda-Phänomen. Wie kann ein solcher, noch original verpackt, aus dem geschlossenen Auto während der Fahrt aussteigen und seine drei Mithäringe nicht mitnehmen? Wir verstehen das jedenfalls (noch) nicht.
Der Auffahrkeil: das gleiche Phänomen. Vom Sand des Campingplatzes befreit, getrocknet, eingepackt, am Zielort weg. Mmmhh?! Läuft da was zwischen Häring und Keil?
Das Geschirrtuch? Einfach weg. Vielleicht auch fürsorglich von einem Mitcamper zweimal gewaschen und dann irgendwo einfach liegengelassen?
Die grau gemuschelte Mütze: okay, ich glaube, die habe ich im Taxi liegen gelassen.

Sachdienliche Hinweise zur Ergreifung der abhanden gekommenen Gegenstände bitte unter „Kommentare“ oder vertraulich per E-Mail an mail@fritz-kraut.de. Vielen Dank.

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Gibraltar

Der „Affenfels“

Camping Sureuropa nennt sich der Campingplatz unweit der Grenze zu Gibraltar in einem Stadtteil von La Linea de la Conception gelegen. Der Platz an sich ist sehr einfach, bietet neben – fast – allem Notwendigen Sauberkeit, nette Mitarbeiter und super gutes WLAN an der Rezeption. Der gesamte Komplex umfasst Freizeitangebote für Menschen mit und ohne Behinderungen und offensichtlich auch Betreutes Wohnen. Von hier aus machen wir uns preisgünstig mit dem Taxi auf den Weg zur Grenze.

Aber vorher noch ein Beispiel für die Einfachheit des Platzes, Sille würde es „filmreif“ nennen: Heißes Wasser gibt es nur in den Duschen. Dafür ist’s aber wirklich sehr heiß. Oder eben kalt. Dazwischen gibt’s nichts. An den Wasch- und Geschirrspülbecken gibt’s nur kaltes Wasser. Also nehme ich meine blaue Faltschüssel und hole Wasser aus der Dusche. Der Duschkopf aber ist in etwa zwei Metern Höhe fest installiert. Lange Rede kurzer Sinn: mit einer gehörigen Portion Glück bin ich noch nicht geduscht, bevor das Geschirr sauber ist. Und meine Klamotten auch nicht.

Grenzkontrolle. Personalausweis vorzeigen bei den Briten. Erinnerungen an die Erfahrungen vom letzten Jahr in Calais werden wach. Diesmal geht’s gut.

In der Altstadt

Wir fahren mit dem Linienbus down town, promenieren bzw. lassen uns von den Touristenmassen die Einkaufsstraße Richtung Seilbahn entlang schieben. Das Return-Ticket hätten wir uns sparen können, viel zu verführerisch ist der Gedanke, vom Gipfel des Affenfelsens zu Fuß zurück in die Stadt zu gehen.

Völlig harmlos – aber frech!

Die Affen sind so zutraulich wie frech. Wenn auch nur die geringste Kleinigkeit auf Ess- oder Trinkbares schließen lässt, sind sie nicht mehr zu halten. Eine Italienerin begeht den Fehler, sich auf eine Mauer zu setzen und ihr Brot zu essen. Tja, die Affen sind flink und blitzschnell. Dem Beutezug ist sie nicht gewachsen und bekommt einen hysterischen Anfall und ihr Begleiter hat alle Mühe, sie zu beruhigen. Ziemlich erfolglos. Die Affen schreckt ihr Geschrei nicht ab. Ganz im Gegenteil. Dabei sind die Tierchen eigentlich doch recht harmlos und friedfertig, lassen sich gern beim gegenseitigen Entlausen und anderen Intimitäten filmen und fotografieren. Ist denen völlig egal.

Stairway to heaven?

Der Abstieg gerät länger als gedacht. Was die Beschilderung ihrer Wege betrifft, können die Gibraltarer (Heißen die so?) von ihren englischen Beschützern noch viel lernen. Und so kommt es, dass auch wir das Problem des unlöschbaren Durstes kennenlernen (Gruß an Bernie und Werner). Schade, dass wir nicht mehr Zeit haben. Es gäbe hier noch viel zu sehen. Beispielsweise könnte man sich das Tunnelsystem aus der Zeit der Belagerung ansehen. Der Fels scheint durchlöchert wie ein schweizer Käse. Aber es ist Samstag und die letzte Führung längst vorbei.

Blick in einer der unzähligen Tunnel

Um sieben Uhr abends wirkt Gibraltar wie ausgestorben. Die zahlreichen Restaurants warten auf Gäste, die offensichtlich längst wieder jenseits der Grenze sind.

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Ronda

Ronda an der Puenta nueva

Ronda. Ein wunderbarer, beeindruckender Ort. Die Puenta nueve (erbaut 1751 bis 1793 – also fast ein Flughafen), ist da nur der touristische Fotomagnet. Hundert Meter hoch und neunzig Meter breit ragt sie über die schmale Schlucht El Taja des Rio Guadalevín und bietet unvergessliche Blicke in die Landschaft. Der Raum im mittleren Torbogen sollte ursprünglich als Gefängnis dienen. Dazu ist es aber nie gekommen. Geplant wurde sie vom spanischen Baumeister Aldehuela. Nach einer unbestätigten Legende hat er sich einige Jahre später von der Brücke gestürzt, weil er die Erkenntnis gewonnen hatte, dass er ein solch majestätisches Bauwerk nie wieder erschaffen könne.

Die Puenta nueva

Beeindruckend ist auch die Stierkampfarena. Viele berühmte und verehrte Stierkämpfer haben dort ihre Karriere begonnen. Dabei ist in erster Linie die Familie Martinez zu nennen. Von Pedro Romero, dem ersten Torero der Martinez‘ (1754 bis 1839), heißt es, er habe 5558 Stiere während seiner Laufbahn getötet. Zuletzt sei er im  Alter von 77 Jahren zu Ehren der spanischen Königin Isaballa II. in den Ring der Stierkampfarena von Madrid gestiegen. Das Festival de Pedro Romero findet jährlich im September statt.

Blick von der Brücke

Aber auch die vielen kleinen, unspektakulären aber wunderschönen Plazas laden zum Verweilen ein, bieten einzigartige Atmosphäre. In vielen Gassen stehen Häuser verlassen und leer, scheinen dem Verfall anheimgefallen; in anderen hingegen sind sie guterhalten, frisch renoviert und liebevoll mit Blumen geschmückt. Die kleinen Tiendas (Läden) sind leicht zu übersehen, sie unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von den Eingängen der Wohnhäuser.

Wir hatten Glück. Oder Pech? Nur am ersten Tag unseres Aufenthalts war uns die Sonne gewogen. Die anderen Tage waren dem Regen geweiht. Schade. Sehr schade. Wir wären gern noch geblieben, aber der zeitweise mitreisenden Besucherin war es geschuldet, uns auf den Weg zu sonnigerem Wetter zu machen. (Ich hatte aber auch die Faxen dicke. Dauerregen und Wind kann ich zu dieser Jahreszeit auch in Berlin haben.) Die besten Aussichten in dieser Hinsicht sind in Gibraltar zu erwarten. Also: nix wie hin!

 

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Werner allein unterwegs

Desayuno mit Olivenöl für die Finger

Exkursion: Seit heute mittag bin ich allein unterwegs. Louis und Beate sind weiter mit Fritz Kraut unterwegs. Nächste Station: Ronda. Ich mache mich auf den Weg in die Extremadura, dem Landstrich, aus dem die meisten Konquistadoren Spaniens stammten. 

Hotel, Granada: Gehe in den Hauptbahnhof von Granada. Louis und Beate sind abgefahren. Ich bin das erste Mal seit beinahe zwei Jahren allein unterwegs. Wie sich das anfühlt? Unsicher, irritierend. Wie weiter? Geographisch. Am ehesten über Sevilla. Zwei, drei Verbindungen am Tag. Kein Zug. Busse. Mit dem nächsten käme ich gegen neun abends an. Dann Zimmersuche. Bleibe in Granada und finde per Net ein günstiges Hotel im Studenten-viertel. Ein Spaziergang, ein Eis, ein Bier in einer spanischen PuschlSportsbar, eine Pizza und der Tag draußen ist um. Lese noch in Jonathan Frantzens Buch „Purity“ und mache dann das Licht aus. Keine Euphorie, eher ein mulmiges Gefühl. Mal sehen, ob die Offenheit anhält. Ein wenig hat Louis Paranoia wohl auf mich abgefärbt. Nehme Geld und Wertsachen mit ans Bett. (Anmerkung des Lektors: „Komm Du mir nach Hause, Bürschchen!“)

Sevilla: Eine tolle Stadt. Kleines Zimmerchen, kleines Hotel null bis ein Stern. Super nett hergerichtet, freundlicher Empfang für 23 Euro pro Nacht. „Aus der Tür links am Ende gibt’s Desayuno. Bestelle eines mit der Bezeichnung Oferta und bekomme Orangensaft, café con leche, halbes bocadillo piccolo con jamon, halbes bocadillo piccolo con olio olivio(!). Reise das Plastikbechrechen auf, statt Marmelade läuft Olivenöl über Finger und Brötchen. Inmitten von Sevillianer*innen und spanischen Urlaubern fühle ich mich gut. Die Ersteren sind in Hektik und nur auf Zwischenstopp zur Arbeit, die Letzteren trödeln vor sich hin, bis sie wach genug sind und den Tagesplan besprochen haben.

Gestern war Chaos. Zu früh aus dem Zug gestiegen. EC-Karte weg. Telefonate, Onlinebanking, Bankbesuche, Kreditkarte ohne Pin. Meine Nachbarin Gabi war die Rettung. Sie holte eine iTan aus meiner Wohnung, mit der ich eine Pin für meine Visakarte einrichten konnte. EC-Karte gesperrt, Geld vom Cashpoint, alles gut. Bis zum nächsten Abenteuer.

Trinke den frisch gepressten Orangensaft und mache mich auf in die Altstadt vor der Tür.

Der gestrige Abend endete mit einem leckeren und wunderschön gespachtelten Eis. Mit so einem Gefühl sollte mensch immer ins Bett gehen. Mindestens!!

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Mit Speck fängt man Mäuse

Das Frühstück war mal wieder lecker: Baguette, Wurst, Käse, Marmelade, Avocado, Tomate, Gurke, Spiegelei mit Schinken … Aber jetzt geht’s an den Abwasch. Ich packe alles in meine blaue Faltschüssel, lege noch Spülmittel, -tuch, -bürste, Geschirrtuch und den obligatorischen Universalsilikonabflussstopfen dazu und mache mich auf den Weg.

Traf man früher im Küchenbereich der Campingplätze fast ausschließlich auf Frauen, spülend und laut und angeregt miteinander plaudernd, bietet sich heute ein völlig verändertes Bild: Es ist ruhig geworden dort. Vier, fünf Männer, alle Holländer, stehen vereinzelt stumm vor ihren Spülschüsseln und suchen unter den Schaumkronen ihr Spülgut.

Was ist passiert? Ist das jetzt der neue Trend? Hat das was mit Befreiung und Selbstbestimmung zu tun? Erkämpfen sich hier moderne, aufgeschlossene Männer eine neue Domäne? Oder haben sich die holländischen Männer einfach nur ihrem Schicksal ergeben?

Ein holländischer LKW-Fahrer, mit dem ich vor ein paar Tagen an der Bushaltestelle ins Gespräch gekommen bin, erzählt mir seine Version. Begonnen hat alles mit dem männlichen Hang zur Technikbegeisterung und der Entlastung der Hausfrau. Es wurde eine Spülmaschine angeschafft. Da hilft der Gatte am freien Sonntag natürlich gern beim Abräumen und Füllen der neuen Errungenschaft. Töpfe, Teller, Tassen, Gläser, Besteck und Spültab rein, Knöpfchen drücken, Klappe zu. Irgendwann später glänzt alles trocken und sauber. Doch, wer kann es auch ahnen, es ist natürlich nicht beim freien Sonntag geblieben.

Und im Urlaub auf dem Campingplatz? Da sucht der hilfreiche Gatte vergeblich die Spülmaschine. Ergo: Handarbeit. Und das nicht nur sonntags. Tja, the times they are a-changin‘.

Beim nächsten Mal also aufgepasst, ihr holländischen Vorreiter des Maskulinismus, sonst habt ihr euch eines Tages versehentlich das Recht erkämpft, jeden Tag am Herd stehen zu dürfen.

Mit Speck fängt man Mäuse!

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Güéjar Sierra 2

Stammgäste im La Caféteria

Morgens in Güéjar. Das zweite Mal in La Cafetria, im Zentrum des Dorfes gelegen. Ein Ein-Kilometer-Spaziergang am Morgen. Kaum bin ich durch die Tür, steht der Unterteller für den kleinen Café con leche auf der Theke und das frische Croissant ist auf dem Weg das desayuno pequeño zu komplettieren. Die alten Herren kommen nach und nach herein und trinken ihren kleinen Kaffee, tauschen ein paar Sätze aus und sind nach zehn Minuten wieder weg. Wohin auch immer. Ein Maler stellt sich neben mich. Eine Krankenschwester Typ „komm an meinen Busen, ich könnte deine Mutter sein“ schnappt sich ein Croissant und einen Kaffee im Becher und geht vor die Tür. Der Bus kommt gleich und bringt die arbeitenden Menschen nach Granada.

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Güéjar Sierra

Huch! Sind das etwa Wolken über der Sierra Nevada?

Die Sonne wirft über die Kämme der Sierra Nevada erstes Licht durch die kleine Luke in mein Regalbett. Die Welt hat nichts Neues zu bieten, schreibt das Handy. Ein paar Seiten von Frantz halten mich noch einige Zeit auf der angenehm warmen Matratze. Dann muss ich raus. Ein Spaziergang ins nahegelegene Städtchen Güéjar Sierra. Mal sehen, ob die Spanier schon arbeiten und was sich da so tut am frühen Morgen. Autos sind unterwegs und bringen Menschen nach Granada zur Arbeit. An der Bushaltestelle warten sie auf die Abholung. Man ist wach.

Seniorenresidenz in Güéjar Sierra

Hunger. Am idyllischen Platz in der Mitte der Mitte von Güéjar, unweit der schönen kommunalen Seniorenresidenz, hat eine kleine Bar geöffnet. Der Magen gruselt. Einkehrschwung. Am Tresen stehen Menschen in Handwerksklammotten und trinken ihren ersten Cappuccino, bevor sie sich an ihr Tagwerk machen. Ich schließe mich ihren Bestellungen an und ordere Cappuccino y un Croissant oder wie das hier heißt. Man hat meine Worte verstanden und ich kann in ein leckeres Teilchen beißen.

Schreibe eine Mail an die Nordsee und genieße den schönen Tagesbeginn. Gleich neun Uhr. Zeit, mich auf den Heimweg zu machen. Beate und Louis werkeln sicher schon am Frühstück. Heute soll’s zu den Pueblos blancos und einer bedrohlichen Festung gehen. Einen schönen Tag wünsche ich.

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Guadix

Guadix

Wenn ich den barocken Reichtum dieser Städte sehe, schwillt mir der Hals. Ob Adel oder Kirche, Fettlebe allenthalben. Und die dickste Henne im Nest ist wohl Madrid. Man muss diese ganze Bagage enteignen und den gestohlenen Reichtum nach Südamerika rückübertragen*. Hier wäre das komische deutsche Prinzip von „Rückgabe vor Entschädigung“ der Nachwendezeit einmal angebracht.
Bin schon gespannt darauf, die Hauptstadt zu besuchen und meine Ahnungen zu überprüfen.
Guadix liegt wie ein Spiegelei in einer Bratpfanne, wird von oben durch die Sonne gegrillt und von unten durch die gespeicherte Tageshitze der Erde gebraten.

*An meine spanischen Freunde: Keine nachgeborene Generation hat Schuld an den Verbrechen ihrer Vorläufer. Verantwortung ist aber. Mir schwillt der Kamm, wenn sich deutsche Firmen oder der Staat vor Entschädigungen drücken. Ich weiß, die Ausbeutung Südamerikas ist lange her. Man möge mir verzeihen.

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Mauren in Europa

Granada

In Granada und Cordoba blühte das geistige Leben Europas. Juden, Christen und Muslime (Mauren), unter deren Herrschaft fast ganz Spanien und Teile Südwestfrankreichs standen, lebten friedlich zusammen und tauschten sich in Kultur, Kunst und Wissenschaften aus, was zu neuen Höchstleistungen führte. In der Architektur lässt sich das in der Alhambra und in der Mesquita erahnen. Selbst das Palais Thermal, ehemals König-Karls-Bad, in Bad Wildbad, zu dem der Geburtsort des Autors – Sprollenhaus – gehört, wurde im maurischen Stil errichtet. 

1492 fiel Granada, das letzte Königreich der Mauren, in die Hände der Katholiken. Im selben Jahr erreichte Columbus Amerika. Die Konquistatoren eroberten es im Namen der Kirche und des Königshauses brutal.

Im vereinigten Spanien und auch in Südamerika blühten danach statt freier Kultur und Wissenschaft der Ungeist in Form von Zwangstaufen, Vertreibung, Inquisition, Mord, Todschlag – bis dato in unermesslichen Reichtum und Krieg. Die Hoffnung auf eine tolerante, sich selbst aufklärende Gesellschaft in Spanien, starb für Jahrhunderte. An den noch immer ungelösten Problemen zwischen Muslimen und Christen leidet inzwischen die ganze Welt in noch weit furchtbarerer Form.

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Alhambra

Kultur kann so anstrengend sein. Auch alte. Wie die Alhambra. Erbaut von Architekten speziell für heiße Luft. 30° locker. Es ist noch nicht Sommer, geschweige denn Hochsommer. Wir stehen an vor dem Eingang des baulichen Hochamtes arabischer Architektur in Europa.

Im Kühlen lässt sich‘s besser warten. Zum Beispiel auf den Abgang einer vor einer Balustrade im Stehen meditierenden jungen Frau. Ihre Ausdauer währte länger als meine: „Frau vor Balustrade, Rückenansicht“. Arabesken. Wie man eben Wände verziert, wenn die Heilige Schrift Abbilder von Menschen verbietet. Schön haben sie das gemacht. 

Als die Alhambra erbaut wurde, rannten die Europäer noch mit dem Knüppel um ihre Grobsteinburgen. Vielleicht wären die Araber und Europäer gemeinsam weiter, wenn ihnen die Eroberung Wiens gelungen wäre. Wenn ich mir die Innenarchitektur und die Gärten anschaue, wäre ich einem Umzug nicht abgeneigt.

Beate und Louis wollen sich noch den / die / das Generalife ansehen. Wir trennen uns und ich mache mich auf den Weg hinab in die Stadt in ein Restaurant. Ein kühles Bier, bei 37° und steigend, eine Labsal. Der Salatüberraschung des Chef de la Maison ist gelungen. Groß wie die Vorspeise für einen richtigen Salat. Dafür gekonnt serviert, auch die Rechnung: zwanzig Mäuse. Die beiden holen mich ab.

Generalife

Auf dem Plaza Nueva folgen wir einer Flamenco-Darbietung. Solche Frauen kommen mir nicht an den Herd. Viel zu feurig. Da brennt doch zuerst der Pfannenstiel bevor das Spiegelei gebruzzelt ist.

Auf zum 390er Bus. Aber vorher noch einen Cappuccino und ein dreistöckiges Flan Caramel gegen den viel zu großen Resthunger. Dann geht’s nach Hause, zum Camping Las Lomas und fast fertig ist ein schöner Tag .

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Ecoturismo Granada

Ecoturismo Granada

Kurz vor dem Zerfall zu Staub mangels Körperflüssigkeit traf ich Ross. Er werkelt vor seiner Naturschutzstation, um sie fit für die Saison zu machen. Der Zugang zu seinem Reich war durch ein Eisenstäbetor gesichert. Ich schnaufte ein „Refresco“ durch die Stäbe und er winkte mich rein. Er brachte mir eine Maß kaltes Wasser und eine saftige Orange. Bier oder Cola Zero gab’s nicht, weil noch nicht geöffnet. So wie sich der Wasserkrug leerte, entfaltete sich mein Körper wieder. Ein kleiner Hund freute sich über meine Anwesenheit und ließ sich liebevoll kraulen. 

Blick auf die Sierra Nevada

Aus dem Gastraum hat man einen wunderbaren Panoramablick auf die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Über das großzügige Gelände verteilt stehen kleine Hütten, die gemietet werden können. Um die Ecke steht ein schöner alter Bus. Unweit davon gibt es ein kleines Amphitheater für kleine sommerliche Schauspiele. Später kam dann noch seine Frau Susanne dazu. Alle drei hatten wir keine gemeinsame Sprache. Ein paar rudimentäre Kenntnisse in Spanisch bei mir, einige in Englisch bei den Beiden. Herausgefunden habe ich, dass die Beiden mit ihrer Station Ökotourismus betreiben. Gefällt mir gut. Allerdings kommt Fritz (Weiß)Kraut da nicht hin. Schmale Straße, enge Kurven, ziemliche Steigung. Fritz (Blau)Kraut hätte es geschafft. 

Notabene:
Louis Tätigkeit draußen im Freien: er fährt die Markise ein, was zu einem kleinen Haushaltsunfall, aber nicht zum Tod führt. Allerdings muss ich kurz unterbrechen, um ihn mit Eis zum Kühlen zu versorgen. Gegen ein Hörnchen auf der Stirn.

Entspannung pur

Den Ecoturismo de Güéjar Sierra kann ich nur empfehlen, falls mal jemand nach der Alhambra noch Zeit zum Entspannen hat (www.campingcortijobalderas.com). 

Ausgetrocknet hat mich die sich auf über 25.000 Schritte bemessene Anwanderung über Kuh-, Ziegen- und Schafspfade über einen Bergsattel zwischen zwei Gipfeln. Keinen der Gipfel habe ich mir zugetraut. Insgesamt habe ich, juchu, einen neuen persönlichen Schrittrekord aufgestellt. Zuwenig Wasser, viel zu wenig Wasser hatte ich eingepackt. Es sollte ja auch nicht so weit gehen. Aber man kann ja nicht einfach umkehren. Wäre vielleicht weiter als die Strecke vorwärts. (Anmerkung des nervigen Lektors: In der Regel zitiert Werner an dieser Stelle gern Erich Honecker: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“) Sich auf den Boden werfen, brüllen und hoffen, jemand nimmt einen auf den Arm und trägt einen den Rest, geht in meinem Alter auch nicht mehr. Vor allem, wenn niemand dabei ist. Weiter, immer weiter. Und dürsten. Und leiden. Meine Beine sind jetzt ein wenig sauer mit mir. Gehe früh zu Bett. 

Beate und Louis tauschen sich über Fernsehserien aus. Notruf Hafenkante, irgendwas mit Mode. Und Sex. (Anmerkung des Lektors: Wir müssen dringend noch mal über die zulässigen Bloginhalte diskutieren!)

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Am Meer

Strandgut / Strand gut

Das Meer – unendliche Weiten. Die Brandung. Der Wind in den Haaren. Endlich am Mittelmeer. Vor 30.000 Jahren hätte ich hier gestanden und mich gefragt, was wohl hinter dem Horizont ist. Vertrieben von fremden Menschen oder auf dem Rückzug von den Folgen eines Klimawandels? Hätte mich die Not dazu getrieben, ein Holzfloß zu bauen? Hätte ich die Fähigkeit dazu gehabt? Wäre ich ins Unbekannte aufgebrochen? Oder hätte mich die reine Neugier und Abenteuerlust auf’s Wasser hinaus gezogen? Heute, im Infozeitalter, weiß ich, auf der anderen Seite liegt ein Kontinent. Am Ufer stehen Menschen, die wissen, drüben ist ein Kontinent, auf dem sie ihr Leben bewahren können. Und der eine oder andere bricht auch aus Entdeckergeist auf.

Der ganze Tag war regnerisch. Kühl ist es auf dem Campingplatz in der Nähe von Almeria. Die Wolken hängen tief und gehen an den Berghängen in Nebel über. Die Talebene ist übersäht mit riesigen Gewächshäusern, unter deren Schutz die Tomaten für kältere Länder gedeihen. Der Strand besteht aus Streifen dunklen Sands und rundgeschliffener Kieselsteine.

Meine Finger werden steif. Ich kann nicht mehr flüssig tippen, treffe die falschen Buchstaben. Zeit zurück ins warme Mobil zu gehen.

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Die Welt vom Regal aus betrachtet

Regalbett

Raindrops keep falling on my head …“, wenn nicht das Dach des jungen Fritz davor schützen würde. Die dunklen Wolken haben uns also doch erreicht. Für die Flora und die Bauern hier ist das toll. Ich jedoch wäre jetzt lieber in Berlin. Praller Sonnenschein. Is nich. Also lungern Werner und Louis unter ihren Bettdecken, Louis oben im Loft und ich im Regal, und spielen Mikado: Wer zuerst aufsteht macht Frühstück. Keiner bewegt sich.

Á pro pos Regal: Dies befindet sich im hintersten Teil des Mobils, noch hinter der Toilette. Will man reinkriechen, so geht das nur durch dieselbe. Ich schlafe auf dem mittleren Brett. Unter mir ist der Platz für die Dienstboten, über mir durfte ich meinen Schlamperschrank einrichten. Bis das Bett auch noch vermietet wird. Man kann aus dem Schrank auch direkt in die Freiheit gelangen. Aber nur, wenn jemand von den Dienstboten da ist und netterweise die Tür öffnet. Der Griff ist auf der Höhe ihres Territoriums angebracht. Derzeit kann ich das Regal nicht unbeobachtet verlassen. Würde ich nicht von der UN – Menschenrechtskonvention geschützt, sondern von Bund für Umwelt und Naturschutz, müsste Louis mit großen Problemen rechnen. Ein Schwein hat Anspruch auf mehr Platz als ich ihn hier hinten habe. Vielleicht wende ich mich an PETA. Dann ist hier was los!

An Personal hat der Eigentümer gespart. Sieht man mal von mir ab. Ich freue mich dabei sein zu dürfen, liege auf dem Rücken und betrachte die Dellen, die ich mit meinem Kopf beim nächtlichen Hochschrecken in das Brett über mir gedonnert habe. Einen Wachhund und sei es Samsung 4 P hat er sich gleich ganz gespart. Vielleicht hat er mich deshalb mitgenommen. Ich bezahle ja mein Futter selbst. Ist jetzt nur so ein Gedanke von mir. Nichts an Louis Verhalten weist darauf hin. Obwohl.

Achtung, im Loft bewegt sich was. Gewonnen. Ich bekomme das Frühstück heute ans Regal. Vielleicht.

(Anmerkung des Lektors: Das ist nun der Dank. Da bietet man einem aus dem Nordschwarzwald geflohenen Hill-Billy Unterschlupf und zeigt ihm die Welt – na ja, zumindest ein bisschen Europa – und was ist? Er meckert. Kein Wunder, bei den engen und düsteren Tälern im Nordschwarzwald reicht der Blick halt nicht sehr weit. Und das kann dann solche Folgen haben.)

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Abendspaziergang

Rose in der Abenddämmerung

Mit Herb Huffs „Feeling good“ wandle ich bei hereinbrechender Dämmerung entlang eines jungen Orangenhains. Der laue Wind, der vom Horizont her dunkle Wolken auf mich zu treibt, hüllt mich mit dem betörenden Duft frischer Orangenbiüten ein. Ich bin zu einem Abendspaziergang, die Umgebung des Camperparks zu erkunden, aufgebrochen. Louis kommt im jungen Fritz dem zweiten Teil der hausfraulichen Pflichten nach.

Der Tag war schön, das Abendessen gut und die gemächlichen Schritte lassen den Tag aktiv ausklingen. Kleine wilde Müllhalden säumen den Weg. Da gibt’s für die Grünen bewusstseinsmäßig und für einige Spanier demzufolge verstandesmäßig noch einiges zu tun. Eine dunkle Wolkenfront kommt bedrohlich näher. Ich gehe besser eilenden Schrittes zurück. Im Ohr „Heißer Sand … und ein Leben in Gefahr“ von Mina. So schlimm wird’s wohl doch nicht werden. Hoffe ich.

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Ein Polytheist in Valencia

Zeus in Valencia

Ich vermute es ist Göttervater Zeus, der bei 24° vor der herniederstechenden Sonne unter einem eigens für ihn geschaffenen Stahlbaldachin Schatten sucht. Man hat Ehrfurcht hier vor den Göttern. Was wir etwas später auch in den verschwenderisch barocken Kirchen anschauen können. Ja damals, als die spanische Krone noch allein Lateinamerika ausplündern durfte. Mord, Todschlag, Seuchen, alles auch im Namen des christlichen Gottes. Zeus hätte das nicht gewollt. Ich bin, neben anderem, Polytheist. Da gibt’s dann immer eine Göttin oder Gott, die / der einen solch unmenschlichen Frevel verurteilt hätte. Von daher bin ich ganz froh, aus der Metro kommend, von Zeus begrüßt zu werden.

Beeindruckend schöne historische Bauten (Zentralmarkt, Nordbahnhof, Kirche des heiligen Johannes ,…), leckere Tapas und Salate, Cappuccini und Espressi, noble Boutiquen und Schuhsalons, hübsche Frauen und Männer, malerische kleine Plätze und Bars zum Verweilen zwischendurch.

In die Stadt aufgebrochen sind wir bei schönstem Wetter kurz vor Mittag vom Valencia CamperPark. Auf ihm steht ein Wohnmobil neben dem anderen. Ganz West- und Nordeuropa scheint vertreten zu sein. Vor allem aber alle Hunderassen scheinen einen Vertreter oder eine Vertreterin abgeordnet zu haben. Kleine, große, eine breite Farb-Fellpalette, einzeln oder im mehreren Käfigen im Auto transportiert. Sogar einen Svarovski Samsung P 4 habe ich gesehen. Der Stellplatzt ist ein beliebter Urlaubsort für Hundehalter. Not my cup of tea. Man muss aber zugestehen, dass die Vierbeiner sich untereinander und mit den Zweibeinern verstehen. Kein Gebell. Nie.

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Ein Schwabe und ein Westfale in l’Estartit

l’Estartit

Auf der vorgelagerten Insel blitzt das Leuchtfeuer eines Leuchtturms. Ein beleuchtetes Boot zieht langsam am Ufer vorbei. Im orangefarbenen Licht der Laternen kurven Fledermäuse ihre gewagten Routen. Die Luft ist vom würzigen Geruch der frisch geplatzten Kiefernzapfen erfüllt und die Nacht legt ihr verbergendes schwarzes Tuch über das Land: am Mittelmeer. (Louis: Ich stehe hier am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr, schicke ihmr mir Mittel her, dann stürz‘ ich mich ins Mittelmeer.)

La Sirene – einer er von vielen Campingplätzen in l’Estartit und unser Domizil für zwei Nächte – ist nicht schön, kaum belegt und liegt ein paar Schritte vom Wasser. Einer wie wohl viele, die die an der Costa Brava Sonne und Meer suchenden Menschen jeden Sommer aufnehmen. Gedacht und gemacht für Familien. Das alte Städtchen am Hang sieht aus der Ferne nett aus, der dahinter liegende Felsen herausfordernd. Vorfreude auf morgen.

Werners Finger nach der schwierigen Zubereitung eines Spiegeleis (Anmerkung des Lektors: War aber lecker!)

Endlich sieht Louis es ein. „Ich bin ein ganz schlimmer Finger“, sagt er. Über sich. Er hat mir eben grundlos (Anmerkung des Lektors: versehentlich und nur ganz leicht) die Tür des Unterschranks vor’s Schienbein gehauen. Gestern abend musste ich in die Innereien des Jungen Fritz hinabsteigen (Anmerkung des Lektors: Werner musste eine kleine Klappe öffnen!) um das Wasser zum Fließen zu bringen. Und das nur um dem ständigen Gejammer zu entgehen (Anmerkung des Lektors: anders kommt er ja nicht in die Hufe.). Von meinem „Schwäbisch so Sein“ (Anmerkung des Lektors: Was ist das denn für ein Deutsch?) nimmt er sich nur das handwerkliche Geschick heraus. Die weltweit vielgelobte Sparsamkeit verachtet er geradezu (Anmerkung des Lektors: In einigen Punkten würden die Schotten ihn wegen Geiz des Landes verweisen.). Sag ich zu ihm: „Zuerst werden die drei alten angebrochenen Gläser mit löslichem Kaffee aufgebraucht, bis wir den guten Filterkaffee aufmachen“. Antwortet er mit einem überaus überheblichen Gesichtsausdruck: „Wir wollen jetzt nicht zu schwäbisch werden, nicht wahr“ (Anmerkung des Lektors: Ich sage nie „nicht wahr“. Das mag ich einfach nicht. Ich sage höchstens „Nä?“). Ich könnte heulen. Aber die Sonne scheint, das Meer liegt vor der Tür und wenigstens die Spanier sind freundliche Menschen. (Jetzt geht der Text zur Korrektur in Louis Schreibstube. Mal sehen, was durchkommt.) (Keine Anmerkung des Lektors.)

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Integration

Integration

Drei Situationen des heutigen Tages zeigen das Dilemma, in dem Frankreich steckt:

Morgens um sieben, ich hole das Baguette für unser Frühstück, komme ich am Feuerwehrhaus vorbei. Zehn Männer in Einsatzkleidung machen sich einsatzbereit. Zwei davon sind  ihrem Aussehen nach Nordafrikaner.

Die Städtchen und Dörfer, durch die wir fahren, sind schön gestaltet und auf eine lässige Art aufgeräumt.

Auf einer Parkbank am Ufer der Ain, gegenüber dem Campingplatz, sitzt ein junges arabisch-nordafrikanisches Pärchen und schmaucht genussvoll ein Wasserpfeifchen. Um sie herum auf der Erde liegen Papiermüll, leere Dosen und Plasikbecher. Um die anderen Bänke herum ist es sauber.

Frankreich integriert in kleinen Städten erfolgreich Einwanderer.

Frankreich liebt seine gelassene und geordnete Bürgerlichkeit.

Müll auf der Erde ihrer Parks ist den Franzosen wesensfremd.

Ablehnen oder integrieren. Beides ist möglich. Die Handlungsalternative ist abstoßen oder erziehen.

Hatten wir letzte Nacht noch etliche Minusgrade und Raureif, so spazieren ich jetzt gegen zehn, nach einem ausgedehnten Abendspaziergangen,  bei angenehmen 14° zum Wohnmobil zurück.

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Savoir vivre nach einem langen Fahrtag

Fritz (Weiß)Kraut in Pont d’Ain

Ein Comté aus Comté, eine Paté aus der regionalen Boulangerie, ein leckeres Bier aus dem winzigen grünen 0,25er Fläschchen – erste zarte Versuche in französischer Kulinarik erfreuen den teutonischen Gaumen. Wir sitzen nach einer etwas umständlichen Tagestour vor Weißkraut und schauen der Sonne beim mählichen Untergang hinter den Bäumen zu. Diese stehen in ihrer Ausprägung als Birken und Kastanien auf einem größeren Campingplatz des Städtchens Pont d‘Ain. W-LAN gibt’s an der Rezeption, ein kleines Schwimmbecken ist auf dem Gelände und eine Anzahl von Dauercampern fristet ihr Dasein. Mir liegen eigentlich eher die kleinen intimen kommunalen Campingplätze, die sich unaufgeregt und ohne Kommerzschreierei präsentieren. Aber es ist noch Vorsaison und unser heutiger Lagerplatz ist angenehm leer und wirkt dadurch großzügig. Der Koch machte sich heute einen schlanken Fuß und der warme Teil des abendlichen Mahles bestand aus einem heißen Tee bzw. einem Instant-Cappuccino. Der Rest war außerordentlich lecker.

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FrankREICH

Montbéliard

Egal was mensch historisch, politisch, sprachlich von den Franzosen hält, sie haben das schönere Wetter, die schöneren Plätze und Cafés, den cooleren Umgang mit Zeit, einen Gsangenehmeren Tagesrhythmus, kurzum sie haben ein höheres Niveau an Lebenskultur erreicht. Man trifft sich zu einer kurzen Pause während der Arbeitszeit auf einen Café au late oder Cappuccino, plauscht mit Kollegen isst ein Baguette, lässt sich währendessen noch die Sonne auf das kleine Wohlstandsbäuchlein scheinen und geht dann wieder erholt an den Rest des Tageswerkes. Entspannte Kultur, Laissez faire gegenüber den Anforderungen des Tages und ein natürliches Selbstbewusstsein: ich bin Franzose, ich darf es sein.

Erfreulicherweise fällt es mir überhaupt nicht schwer, mich nahtlos einzufügen. Ein Baguette auf deutsch-englisch mit französischen Einsprengseln und einem nett lächelndem pour fafour bestellen, keine Anstrengung. Der hübschen, etwas verlegenen Bedienung bei ihrem Anliegen „an diesen Tischen muss auch etwas von unserem Etablissement verzehrt werden“ helfen, eine sympathische Herausforderung. Hier muss der Mensch nicht zu Gott aufschauen, hier kann er leben wie der Selbige. Das gilt vor allem dann, wenn man morgens im Nebel und mit vereisten Scheiben losfährt und wenige Stunden später mit nacktem Oberkörper in der Sonne sitzen könnte (mach man aber hier nicht). Die Parkuhr läuft ab, mahnt Louis und weckt mich aus meiner lebensherrlichen Schwelgerei.

In Montbéliard sind wir bei immer noch strahlenden Sonnenschein auf einem kleinen und feinen kommunalen Campingplatz gelandet. Nett empfangen wurde das Wohnmobil plaziert und am Abendbrottisch der Himmel über dem schönen Talkessel bewundert.

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Die (un)heimliche Wandlung des Fritz K.

Der Alte Fritz bzw. Fritz (Blau)Kraut

Er ist nicht mehr blau, der Fritz Kraut. Er ist jetzt weiß. Und zugelegt hat er. Genau wie seine Nutzer. Nur anders. Er ist jetzt höher. Und eine Idee länger. Damit kommt er in erster Linie den orthopädischen Bedürfnissen, aber auch den veränderten Wünschen nach etwas mehr Bewegungsfreiheit und Komfort im Reisealltag entgegen. Das wissen wir sehr zu schätzen. Und auch die Tatsache, dass der Drogenkoffer jetzt ein festes, leicht erreichbares Plätzchen hat. Ganz zu schweigen davon, dass wir jetzt nachts nicht mehr bei Wind und Wetter nach draußen müssen, wenn der Körper auf Entsorgung seiner Abfallprodukte dringt. 

Der Junge Fritz bzw. Fritz (Weiß)Kraut

Die Papiere für den neuen Fritz Kraut beim hiesigen Landratsamt zu bekommen hat genau zwei Tage gedauert. Dummerweise war ein Wochenende dazwischen. Nur Berlin ist – wie immer – eine Geschichte für sich. Sie mahlen bekanntlich langsam, die Berliner Amtsmühlen. Will man sein Fahrzeug selbst anmelden, braucht man nicht nur viel Zeit für die Wartezeit. Man muss den Termin auch Wochen vorher im Internet buchen. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als einen der vielen (teuren) Anmeldedienste in Anspruch zu nehmen. Die bekommen nämlich bevorzugt Termine. Trotzdem brauchte die Behörde noch sieben Werktage (!), um einen Kraftfahrzeugbrief auszudrucken. Um wenigstens die nicht gerade für ihre Schnelligkeit bekannte Post zu umgehen, hat Werner sich in den Zug nach Berlin gesetzt. Das spart mindestens zwei Tage. Die Côte d‘Azur müssen wir uns jetzt wohl abschminken, schließlich wollen wir am 2. Mai unseren Besuch am Flughafen in Málaga abholen. Aber: Bühl ist ja auch schön. Und erholsam. Und man kann schöne Ausflüge machen. Und Freunde in der Nähe besuchen. Und das Frühlingswetter hier ist nicht zu übertreffen.

Bleibt noch das Problem mit dem Namen. Fritz Kraut soll ja eigentlich bleiben. Dank der wunderbaren Vorschläge  von Ursula und Iris ist das Problem inzwischen gelöst. Der Alte heißt Fritz (Blau)Kraut und der Neue Fritz (Weiß)Kraut – Alternative: Alter Fritz und Junger Fritz. Für Freunde bleibt’s aber bei Fritz Kraut. 😉

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Breaking news

Bis voraussichtlich Karfreitag ist Erzählpause!
Aber es gibt immer mal wieder neue Fotos. 🙂

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Morgens um sieben im Ländle

Samson hat auch morgens um sieben schon Lust zu spielen

Sieben Uhr. Die elektrischen Muezzins werfen die brutalen Kirchenglocken an. Jeder Christenmensch auf der Welt weiß nun, dass Gott ihn zum tätigen Werk aufruft. Zumindest hier in Schwaben. Und hier hat sein Wort noch Gewicht. Selbst eingefleischte Menschen muslimischen Glaubens stehen wie eine eins kurze Zeit später beim Daimler oder sonst wo in einem florierenden Betrieb.

Spielverderber

Die natürlichen Wecker haben vor über zwei Stunden begonnen, mir mit den ewig vertrauten Klängen der Natur aus dem Bett zu helfen. Erst ganz sanft und leise ein kleiner Vogel. Ein zweiter stimmt, ermuntert durch den lockenden Ruf, ein. Ein größerer will nicht nachstehen und unterstützt die Beiden. Innerhalb von zehn Minuten stehe ich, angetan vom lieblich auffordernden Chor des Lebens, im Bad. Finde Samsungs Halsband im Vorraum – nur ist kein Hund dran. Über dem dunklen Wald zeigt sich die Morgenröte am blau-orange linierten Himmel. Ich wandere durch das noch dunkle Bühl. Hin und wieder flammt überraschend eine Leuchte auf. Um sechs öffnet der Bäcker. Wenn die Backwaren nur halb so viel halten würden, wie das Lächeln der Verkäuferinnen verspricht, ich würde mir eine Nussschnecke und eine heiße Schokolade gönnen. Oder gar ein Nusshörnchen. Inzwischen liegt sogar die Qualität berliner süßer Teilchen über den hiesigen. Wenngleich man das nicht von allen Hauptstadtfachverkäuferinnen behaupten kann. Aber auch deren Charme kann man, die richtige Umgebung vorausgesetzt, erliegen. Zum Beispiel in der Sahara. Da fällt mir ein, ich muss dahin, um diese Hypothese zu überprüfen.

Sieben Uhr fünfzehn. Die Dame des Hauses müsste gleich in der Wohnküche erscheinen. Zeit, das Frühstück vorzubereiten.

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(Reise-)Planung wird völlig überbewertet, …

Frühling im Ländle

… denn erstens kommt es ja bekanntlich anders und zweitens als man denkt. Nach den wenigen Gedanken, die wir uns zur Reise- bzw. Routenplanung gemacht hatten, wären wir jetzt irgendwo in den französischen Seealpen. Stattdessen treiben wir uns nach wie vor im schönen Ländle rum, genießen die Landschaft, das traumhafte Frühlingswetter und Iris Gastfreundschaft. Die mediterrane Küche ist also vorerst hinausgeschoben. Kommt ja auch noch früh genug, jetzt ist erstmal Spätzle-Zeit!

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Klatsch und Tratsch

Ziemlich beste Freunde

„Klatsch und Tratsch“ ist eine kleine Reisekolumne, die einzig und allein von unserem neuen WoMo-eigenen Sensationsreporter Werner sowohl inhaltlich, stilistisch, grammatikalisch, interpunktionell, orthographisch und auch juristisch verantwortet wird. Alle Ähnlichkeiten mit realen oder fiktiven Personen und Ereignissen sind rein zufällig oder fake news.
Die Redaktion

Auf dem Weg nach Spanien – in Bühl

Schulbesuch
Der Autor, diesmal in seiner Kapazität als Beamter der Berliner Lehrerschaft, durfte bei zwei Sportstunden der Rektorin der hiesigen Grundschule hospitieren. Was soll ich sagen: die Kids haben Unmengen Kalorien verbraucht, literweise Endorphine produziert und am Ende ein fast seliges Lächeln auf den Lippen. Beste Sportstunden seit Langem.

Samsung*
Wer kennt ihn nicht, den Lieblingshund der Familie Eckert. Beim letzten Besuch hat er mit dem Schwanz gewackelt, diesmal Louis bei der Begrüßung fast flach gelegt. Auch dem Rest der Familie geht es gut. Gassigehen mit einem schottischen Hütehund macht Spaß, zumal wenn der Hund beim Aufstieg ins Rammert Gebirge zuerst schlapp macht.

Samson – völlig fertig von der „Gebirgsbesteigung“ mit seinem neuen Freund Werner

Danach fühlte sich sogar der bettlägrige ältere Herr – Entschuldigung, er nennt sich ja nicht mehr so, sondern lässt sich als Stradivari ansprechen – wieder jung und viril. Wie auch nicht, die Sonne scheint, der Frühling lässt den Himmel mit seinem flatternden blauen Band erstrahlen und die Knospen an den Bäumen lassen es richtig knallen. Dieses Jahr wird ein gutes.

*Eingentlich heißt er Samson, aber unser neuer Sensationsreporter ist halt Samsung-Fan.

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Mediterrane Küche?!

Das Auto ist gewaschen, vollgetankt und -gepackt. Morgen Vormittag geht’s los. Erste Station wird, wie schon im letzten Jahr, auf der Alb hoch über dem Dörfchen Sprollenhaus im Nord-Schwarzwald bei Svenja und Christian sein. Wir freuen uns schon drauf, wieder unter freiem Himmel im Hotpod geköchelt zu werden.

Weiter geht’s voraussichtlich Richtung Stuttgart und Tübingen. Danach werden wir mal weitersehen. Die französischen Seealpen stehen ebenso auf der Wunschliste, wie die Côte d’Azur, die Pyrenäen und Barcelona. Die meiste Zeit werden wir in Andalusien verbringen. Hier erwarten wir Anfang Mai auch unseren Besuch, mit dem wir drei gemeinsame Wochen verbringen werden. Aber auch Madrid und Nordspanien stehen auf dem Programm.

Und warum ist das Ganze nun mit Mediterrane Küche?!“ überschrieben?

Wir müssen abnehmen. Alle beide. Und zwar ernsthaft. Und dazu soll die mediterrane Küche ja gut geeignet sein, sagt man. Gehen wir’s also mit Che Guevara an: „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ Und wenn unsere hehren Pläne nicht wieder, wie im letzten Jahr, durch eigenartige lokale Öffnungszeiten der Tante-Emma-Läden konterkariert werden …

Also, an uns wird’s jedenfalls nicht liegen, wenn’s wieder nicht klappt! An uns nicht!!

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Nachtrag: Warum ich für den Brexit bin

Das kann ich Euch wirklich nicht vorenthalten: Mein Ausweis ist wieder da. Aber bevor ich viel erkläre, hier mal das Schreiben des Bezirksfundbüros. Ja, ja, richtig gelesen, Fundbüro.

Fundsache Personalausweis (gepixelt)

Mein Ausweis wurde also gefunden. Interessant. Ich habe ihn gar nicht verloren. Er wurde mir abgenommen. Von den britischen Grenzbehörden in Calais. Irgendwer hat ihn trotzdem gefunden. Aber wo? Und wer hat ihn dort verloren? Meines Wissens wurde er von den britischen Behörden zur deutschen Botschaft in London spediert und von dort zur ausstellenden Stelle in Berlin. Wie kann er dann verlorengehen? Muss ja wohl in Berlin passiert sein. Man hört hier viel von der überlasteten Verwaltung, von fehlendem Personal und hohem Krankenstand. Und so ein Ausweis im Scheckkartenformat ist schon klein. Und dünn. Der kann schon mal irgendwem irgendwie durchrutschen. Glücklicherweise ist er in die Hände eines ehrlichen Menschen gefallen. Bin ich froh.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch in England. („Ihr Personaldokument wurde als gestohlen gemeldet. Fahren Sie doch mal da vorne links ran. Es kommt dann ein Kollege und kümmert sich um Sie.“ …!) Aber vielleicht brauche ich ja dann wieder einen Pass und ein Visum.

Brexit löst das Problem.

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Love story

Dackel und Betty Windsor

Dackel und Betty Windsor

In Glasgow ist Betty Windsor zu uns gestoßen. Kaum steht sie im (Rampen-)Licht gibt sie die Dancing Queen und hört erst wieder auf wenn’s dunkel wird oder sie auf’s gepuderte Näschen fällt. Dackel hat sich prompt bis über beide Ohren in Mrs. Windsor verknallt. Ihre Energie springt auf ihn über und lässt ihn wackeln wie selten zuvor. Wir können die zwei einfach nicht trennen und so fahren sie halt beide ganz vorn im Auto mit nach Berlin. Dann haben wir in unserer Hauptstadt endlich auch eine Queen und nach einem Facelifting geht Dackel vielleicht ja auch als Wackel-Corgy durch.

Abschied von unserer (vor-)letzten Station bei Paul in Marsh Lane

Das war’s. Fast. Gleich geht’s nach Hull auf die Fähre nach Rotterdam und von dort aus – hoffentlich ohne Emergency-Übung – mit einer Übernachtung in Paderborn zurück nach Berlin. Der Sonne entgegen?

Abschied von der Insel

Abschied von der Insel

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Alles öko oder was?

Lehmhütte auf dilettantisch?

Lehmhütte auf dilettantisch?

Paul, Werners früherer WG-Mitbewohner in Leeds und derzeit unser Gastgeber, nimmt uns mit auf einen ausgedehnten Spaziergang durch die wunderschöne Landschaft Marsh Lanes. Hügel auf und Hügel ab führt uns unser Weg zu einem permacultural Project, das seit etwa anderthalb Jahren existieren soll und über das wir uns gern näher informieren möchten. Nur, wo finden wir dieses Projekt?

Zu Fuß soll es nur etwa eine halbe Stunde  entfernt sein. Die wenigen Spaziergänger und Downhill Racers, denen wir hier begegnen, können uns auch nicht weiterhelfen. Aber, wie man weiß, geben wir ja so schnell nicht auf und wandern nach gefühlten drei Stunden und sechzehneinhalb Kilometern an einer großen Waldschneise vorbei, die mit geflochtenen Zäunen eingegrenzt ist.

Anbau ohne Kunstdünger?

Anbau ohne Kunstdünger?

Zunächst denken wir, dass hier eine Hecke entwickelt werden soll. Die Bienenstöcke, die wir dort entdecken, legen aber die Vermutung nahe, dass es sich um das Projekt handeln könnte. Was uns auf dem riesigen Grundstück erwartet, sind zwei seit offensichtlich Längerem verwaiste Wohnwagen und zwei Spritschleuder, die ebenso offensichtlich zum Verrotten hier abgestellt wurden. Es gibt ein halb fertiges Haus mit Strohballen als Außenwände und eine alles andere als professionell errichtete kleine Lehmhütte. Aus dem etwas abseits gelegenen Gewächshaus kommen uns zwei junge Leute entgegen. Zwei Volunteers aus Rumänien und Kanada, die uns ungefragt in bemüht freundlichem Ton zu verstehen geben, dass wir hier erstens nicht erwünscht sind und zweitens in den Gewächshäusern kein Dope angebaut wird. Im Übrigen sei dieses Gelände Privatbesitz und ohne die Genehmigung des Eigentümers dürften wir uns hier nicht aufhalten. Unsere weiteren Fragen werden mehr als ausweichend beantwortet und ihre zur Schau gestellte Naivität lässt keine Wünsche offen: Als freiwillige Helfer seien sie hier, um zu helfen und zu lernen und nicht, um Fragen zu stellen. So umfassend informiert machen wir uns, mit unseren eigenen Interpretationen beschäftigt, auf den Rückweg.

Was die dort wohl lernen?

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Von Mücken und Menschen

Glenuig / West Highlands

Glenuig / West Highlands

Die Sonne lacht, aber es stürmt am frühen Abend. Wir nehmen unser Abendmahl zusammengekauert auf unserer Küchenterrasse in Fritz Krauts schmalem Windschatten ein. Später am Abend, als sich die Sonne ans Untergehen macht, lässt der Wind nach und das Naturschauspiel vor unserer Terrassentür zieht uns hinaus ans Meer.

Es ist ein bisschen wie Werbung: Wir werden mit verführerischen Impressionen gelockt und bekommen prompt die Rechnung präsentiert. Das Universum scheint nur noch aus Mücken zu bestehen. Bei weitem nicht einmal so groß wie Stecknadelköpfe stechen sie um ein Vielfaches effektiver als ihre um ein Vielfaches größeren Artgenossen. Unser abendlicher Spaziergang findet ein schnelles Ende.

Zurück im rettenden Zuhause, finden wir die ehemals hellgraue Schlafzimmerdecke in gesprenkeltem Schwarz vor. Millionen dieser Mistviecher müssen es sein. Bis an die Zähne bewaffnet mit unseren Handtüchern machen wir uns an den Massenmord, wohl wissend, dass der Erfolg unseres Bemühens beim nächsten Öffnen der Autotür dahin sein wird. (Ja, ja, Patrick, vor meinem geistigen Auge sehe und höre ich Dich lachen; nur das es diesmal keine Zeitungen sind und Blutflecken lediglich in unseren Bücher statt an den Wänden zurück bleiben. Kommt das übrigens daher, dass manche Krimis vor Blut triefen?) Welchen Eindruck unser wackelndes Eigenheim und das Getrommel gegen die Plane in der ersten Etage bei unseren Campingplatznachbarn hinterlässt, wollen wir lieber gar nicht wissen. Immerhin ist aber erstmal die Decke wieder hellgrau – und der Boden gesprenkelt schwarz.

Draußen sieht’s jetzt so aus:

Blick von der Terrasse unserer rollenden Villa in Arisaig / West Highlands

Blick von der Küchenterrasse unserer rollenden Villa in Arisaig / West Highlands

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Englisch-schottische Geschichte „put in a nutshell“

Pinkelrinne in einem Glasgower Pub

Pinkelrinne in einem Glasgower Pub*

Die Engländer haben gewonnen, die Schotten haben verloren. Schottland wurde Teil des United Kingdom. Die Schotten hängen an ihrer Geschichte und damit an der Niederlage. Später hatte England aber nicht nur einen Manchester-Kapitalismus, sondern auch eine Manchester-Politik. Drei Männer exerzierten diese in den Highlands. Die Schotten wurden massenhaft von ihrem Boden vertrieben, damit die Schafe der drei Herren dort Platz hatten. Legal.
Zum Ruhme dieser drei Herren wurden in einem gemütlichen Glasgower Pub Gedenktafeln über der Pinkelrinne in der Herrentoilette angebracht. (Wie die Damen ihnen ihre Ehrerbietung erweisen können, haben wir nicht untersucht.)
…..
* Dort ist zu lesen:
Dieses Urinal ist den drei Männern gewidmet, die an der Rodung der schottischen Highlands beteiligt waren. Sie haben an dem, was heute als eine von der Zentralregierung gebilligte ethnische Säuberung anerkannt ist, mitgewirkt.
Durch ihre Habgier und Scheinheiligkeit haben sie und andere sich maßgeblich an der Zerstörung der jahrhundertealten Lebensart der Menschen in den schottischen Highlands beteiligt.
Sie haben hier Gelegenheit, den „Herren“ den Respekt zollen, der ihnen gebührt.
Colonel Fell: In der jüngeren Vergangenheit hat dieser Mann den Prozess der Rodung der Highlands auf der Insel Lismore fortgeführt und dazu die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung erzwungen.
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New Lanark …

New Lenark

New Lenark

… ist ein ehemaliges Baumwollfabrikationszentrum am Fluss Clyde, das 1785 vom Textilkaufmann David Dale als neuartige Industriesiedlung gebaut wurde. Berühmt wurde New Lanark durch die visionären Ideen seines Nachfolger Robert Owen (1771–1858). Ja genau, der Owen: Unternehmer, Frühsozialist und Begründer des Genossenschaftswesens.

New Lanark

New Lanark

Owen vertrat die Ansicht, dass Arbeiter mit besseren sozialen Bedingungen zur Steigerung des Produktionsprozesses beitragen. Er veränderte Arbeiten und Leben in der Baumwollfabrik, unter anderem durch den Bau einer Schule für die Kinder der Arbeiter, Einschränkung von Kinderarbeit, Abschaffung von Prügelstrafen, Pensionsversicherung und einer Art Krankenversicherung. Auf dem Gelände gab es einen Dorfladen, dessen Preise nur wenig über dem Großhandelspreis lagen. Das „Institute for the Formation of Character“ war der soziale Mittelpunkt in Owens Gemeinde. Dort waren eine Bibliothek mit Lesesaal, sowie eine Werkskantine und Räumlichkeiten für religiöse Versammlungen und andere Veranstaltungen untergebracht. Heute wohnen dort wieder Menschen und ein Großteil der Gebäude ist Museum.

New Lenark

New Lenark

Unser Tipp: Früh genug hinfahren. Um 17 Uhr ist Schluss. Nachdem wir im Café ausgiebig Kaffee getrunken, dazu Millionaire’s Shortbread gegessen und im Shop eine ausgedehnte Einkaufstour hinter uns gebracht hatten, war’s kurz vor fünf. Tja, …

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