Glamourcamping

Šilo, Camp Tiha

Die weiteren Wetteraussichten hier in Slowenien sind mehr als bescheiden und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung so beschränkt wie das kulinarische Angebot. Wir beschließen, einen Tag früher nach Krk aufzubrechen. Dort haben wir uns einen Erste-Sahne-Campingplatz ausgesucht. Wir wollen ja auch mal glamourcampen, um mitreden zu können. Ja, Pustekuchen. Is nich. Der Platz ist ausgebucht. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Wir haben uns doch extra vorher schlau gemacht. Keine Ferien nirgendwo. Keine Feiertage. Nichts. Und der Platz belegt. Wir rufen auf anderen Campingplätzen an. Nichts. Ausgebucht. Aussichtslos. Angesichts der fortgeschrittenen Stunde haben wir uns das Glamourcamping für heute mal ganz schnell abgeschminkt. Es geht nur noch darum, ein Plätzchen für die Nacht zu finden. Mit Stromanschluss. Anders geht’s ja nicht, weil meine Schantalle mir ohne Strom nicht zu Diensten sein und ich ohne sie nicht schlafen kann. Einen Campingplatz finden wir bald. Riesig. Vier Fünftel Dauercamper. Dicht an dicht. Schlimmer als im Berliner Umland. Viel schlimmer. Das andere Fünftel ist Steppe. Eine riesige Steppe. Aber mit traumhaftem Blick über die Adria. Für die gefühlt 150 Wohnmobile etwa 30 Stromanschlüsse. Davon vier außer Betrieb. Und alle längst vergeben. Wirklich alle. Angesichts fehlender Alternative entscheiden wir uns, dennoch zu bleiben. Ich richte mich auf eine schlaflose Nacht im Sitzen ein.
Später stellt sich ein Uralt-VW-Bus in unserer Nähe auf. Ich sehe rein zufällig, dass der Typ einen CEE-Verteiler für drei Anschlüsse in der Hand hält und auf einen der wenigen Stromanschlussbesitzer zusteuert. Vorausahnend stürze ich auf ihn zu. Ja, wir dürfen uns „anschließen“. Ich kann mein Glück kaum fassen. Der Abend ist gerettet.
Und die Nacht auch. Was folgt, ist eine sternenklare Nacht, die ich völlig entspannt in die Sterne glotzend zu mehr als der Hälfte vor dem Wohnmobil verbringe. Trotz Stromanschluss. Und viel romantischer als Glamourcamping.

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