Historische Toiletten und reiseleitende Navis

Vor dem Frühstück: In Schlafanzug und Windjacke Steine sammeln am hauseigenen Strand. Wann hat man das schon?

Nach dem Frühstück: Exkursion nach Oldenburg in Holstein.
Zugegeben: Wir sind ein wenig enttäuscht. Viel norddeutsche Einheitsbrei-Architektur der achtziger und neunziger Jahre und die landesweit sattsam bekannten Billigläden prägen das Stadtbild. Die durchaus sehenswerte Johanniskirche und ein paar Sträßchen in ihrer Nähe bleiben die Ausnahme.

Baumstamm im Garten der St. Johannis-Kirche

Hungrig gemacht hat uns unser kleiner Stadtrundgang dennoch. Leider scheint auch Lukullus diesen Ort gemieden zu haben. Wir versuchen es in einer kleinen Selbstbedienungspizzeria. Heute ist Eröffnungstag. Alles zum halben Preis. Vor uns fünf Gäste, die dem Pizzabäcker erwartungsvoll auf die Finger schauen und auf ihre bestellten und bezahlten Mahlzeiten warten. Der Pizzabäcker scheint sich von jeder einzelnen Scheibe Salami  nur schweren Herzens und in aller Seelenruhe verabschieden zu können. In der Schlange an der Kasse zwei Kunden im Bestellprozess. Der Mann an der Kasse scheint ist eindeutig überfordert mit seinen neuen Anforderungen und sucht gefühlte Ewigkeiten auf der Speisenkarte nach den bestellten Gerichten. Zwischen den Wartenden eine weitere Mitarbeiterin auf der Suche nach ihrer Aufgabe.

15 Minuten später: Vor uns fünf Gäste, die beim Pizzabäcker auf ihre bestellten Mahlzeiten warten, zwei Kunden im Bestellprozess. Wir entscheiden uns für griechisch. Auf der anderen Seite des Marktplatzes werden wir fündig. Öffnungszeiten: 12:00 bis 14:00 Uhr und 17:30 bis 22:00 Uhr. Es ist fünf vor zwei.

Letzte verbleibende Alternative: „Mephisto – Internationale Spezialitäten“. Wahrscheinlich sieben Spezialitäten aus 13 Ländern unken wir. Und so kommt’s dann auch. Beates Pizza ist als solche kaum zu erkennen; meine Lasagne könnte auch als Nudelsuppe in einer flachen ovalen Auflaufform durchgehen. Nur Werner mampft unter unseren neidischen Blicken genussvoll seinen Makkaroni-Brokkoli-Auflauf.

Zeit zum Aufbruch; die Parkuhr ist längst abgelaufen. Werner scheint uns – nicht ganz uneigennützig – trösten zu wollen und schlägt einen Stopp-over beim Eismann vor. Hätte er besser nicht getan. „Das mieseste Eis, dass ich in den letzten 20 Jahren geschleckt habe“ lautet seine prägnante enttäuschte Bewertung.

Im Oldenburger Wallmuseum

Aber es ist ja nicht alles schlecht in Oldenburg i. H. Das „Oldenburger Wallmuseum“ zum Beispiel. Noch nicht ganz fertig, aber liebevoll angelegt werden wir auf unserem aus-gedehnten Rundgang über die Slawen und ihr Treiben informiert. Die freundliche Dame am Ausgang beantwortet bereitwillig die letzten offenen Fragen. Beispielsweise die nach der Funktionsweise der antiken Außentoiletten, die wir auf unserem Rundgang entdeckt haben. Wir lassen uns belehren, dass diese ausgehöhlten Baumstämme als Unterbau für Bienenstöcke dienen. Ja, und? Wir sind eben Großstädter!

Antike Außentoilette?

Und auch unser Navi hält an diesem Tag noch eine letzte Überraschung für uns bereit. Gefühlmäßig hätten wir den Parkplatz rechts abbiegend verlassen. Aber, da wir ihm für die Rückfahrt „Autobahnen meiden“ vorgegeben hatten siegt trotz gegenteiliger Erfah-rungen unser Vertrauen in die moderne Technik. Ergebnis: nach etwa zwei Kilometern sind wir dort, wo wir einfach vom Parkplatz hätten rechts abbiegen sollen. Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Dieser anstrengende Reisetag findet seinen würdigen Abschluss bei perfektem Sonnenuntergang auf der Terrasse.

Feierabendstimmung auf Graswarder

 

 

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4 Antworten zu Historische Toiletten und reiseleitende Navis

  1. FritzKraut sagt:

    Lieber Bernie,
    wir sind jetzt auf dem Weg nach Schweden. Was die Kötbuller betrifft, halte ich es persönlich eher mit Fleischkiachla. Da weiß ich, dass die Herkunft sich nicht aus einer migrantischen Küche herleitet, sondern urschwäbische Wurzeln hat. Andererseits sind ein Teil der Schwaben bei der großen europäischen Migration (um 500 n. Chr.) nach Norwestspanien weitermigriert. Dahin kamen dann später die Araber, die auch gute Verbindungen in die Türkei hatten. Damit schließt sich der Kreis. Was stammt nun von was ab?
    Über Elche kann ich dir berichten, dass man schon vor 30 Jahren auf Samos der Meinung war, sie seien von da vor den Touristen nach Norden geflohen. Und Zypern liegt ja nicht so weit entfernt.
    Exegetische Grüße aus der Ringwall-Befestigung, Werner.

  2. Rosi Heidecker sagt:

    Ach, ich beneide Euch.
    Etwas anderes fällt mir einfach nicht ein.
    Aber, hier im Hunsrück ist es auch nett.
    Das Essen ist super ( zwei Einladungen in dieser Woche,), das Wetter spielt mit, die Menschen sind rundherum glücklich und so geht’s auch mir.
    Trotz Fernweh.
    Ich schicke Euch allen sehr liebe Grüße
    Rosi

    • FritzKraut sagt:

      Liebe Rosi,
      natürlich wollen wir bei dir keinen Neid erwecken. Diese Wirkung sollte unsere schöne und wunderbar luxuriöse Reise keinesfalls haben. Wäre es ja sonst Beihilfe zu einer Todsünde. Auf die Einladungen zu den Abendessen sind wir nicht neidisch, aber hungrig. Und das wäre ja nur im Exzess als Völlerei eine Todsünde. Wir erleben diese anstrengende und schweißtreibende Tour (vgl. Fotos im Text) ja auch für dich mit.
      Liebe Grüße von Louis und Werner.

  3. Bernd Frank sagt:

    Köttbullar stammen aus der Türkei!?!
    Hallo, im Vorgriff auf euren Schweden-Urlaub – habe gerade dies im Internet (Zeitungsbericht) gelesen:
    „Köttbullar stehen für Schweden wie Fertigmöbel und Abba. Dabei entstammen die Fleischbällchen wohl ursprünglich gar nicht der skandinavischen Küche. Das Rezept für die beliebten Hackbällchen kommt offenbar eigentlich aus der Türkei. Das hat Schwedens offizieller Twitter-Landesaccount nun mitgeteilt. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet. In einem Tweet heißt es, Karl der Zwölfte, König von Schweden, habe das Rezept für das heutige schwedische Nationalgericht Anfang des 18. Jahrhunderts von einer Reise in die heutige Türkei mitgebracht.“

    Also, das hört sich doch sensationell an. Vielleicht ein lustiges Gesprächsthema (Smalltalk) mit Einheimischen da oben?
    (Fehlt jetzt nur noch, dass der Elch eigentlich von der zypriotischen Ziege abstammt. Oder die Sportart Eishockey eigentlich aus Portugal importiert wurde.)
    Kulinarische Grüße, Bernie

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