Wir geben nicht auf

Es geht weiter wie gehabt: Sind die Läden geöffnet, sind wir irgendwo auf der Autobahn. Sind die Läden geschlossen, sind wir in irgendwelchen Städten oder Dörfern. Wir haben uns einen sehr gepriesenen Campeggio an einem Bergsee in Kalabrien ausgesucht. Nachdem wir mehr als hundert Kilometer Serpentinen rauf und runter hinter uns gebracht haben, stehen wir vor verschlossener Tür. Auch alles andere in diesem Bergdorf ist geschlossen. Richtig genervt machen wir uns darauf gefasst, nach vielen Stunden Autofahrt und ziemlich müde noch einmal zwei Stunden Fahrt in Betracht zu ziehen, um einen geöffneten Platz zu finden. Hier in der Gegend scheint uns das „wilde Campieren“ nicht wirklich empfehlenswert. Nach knapp zwei Kilometern erhebt sich vor unserem Auge eine Fatamorgana, nein, keine Fatamorgana, ein offenes Tor zu einem Campingplatz. Wow, der Himmel – oder wer auch immer – hat uns erhört! Ein riesiges Gelände. Direkt am See. Elektrizität. WLAN, wenngleich auch nur im Bereich der Rezeption, die gefühlt drei Kilometer bergauf von unserem Stellplatz entfernt liegt. Um uns herum? Niemand. Überhaupt niemand. Keine Toiletten. Keine Waschräume. Ein paar vergessene Wohnwagen, aufgebrochen und verlassen. Aber ansonsten ein wirklich schönes Fleckchen. Einkaufen? Kein Dorf in der Nähe und schon lange kein auch noch so kleiner Laden. Na ja, ein paar Reste haben wir noch. Viel Gemüse, ein bisschen totes Schwein, Abendsonne, Blick auf den See, ein kühles Bier. Bella Italia.

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8 Antworten zu Wir geben nicht auf

  1. Bernd Frank sagt:

    Hey Jungs,
    irgendwie haben die Süditaliener wohl vergessen, in Erwartung eurer Ankunft nochmal ihre Öffnungszeiten zu checken und gegebenenfalls auch etwas zu ändern.
    🙂 Man fasst es nicht 😉
    Klappt schon alles noch; die Sonne hat euch offenbar jedenfalls nicht vergessen.
    Viel Latte, und auch ein wenig Macchiato,
    wünscht euch Bernie

    • FritzKraut sagt:

      Hallo Bernie,
      wir bewegen uns langsam nach Norden und hoffen, dass es mitteleuropäischer wird. So eine kulturelle Umstellung aus dem Stand wäre vielleicht zu viel verlangt, obwohl ich die Sache im Ganzen auch empörend finde – nach all der Belehrung durch große deutsche Denker, wie den verschwäbelten Badenser Schäuble. Ansonsten versuchen wir der italienischen Wirtschaft Impulse zu geben.

  2. ulrike sagt:

    Ciao voi due,
    dass es – vornehmlich im süden italiens – schon mal etwas weniger komoder zugehen kann, als im (reichen) oberen teil des stiefels, ist ja bekannt. aber, was ihr beschreibt, kommt ja einer durchschlageübung gleich. aber ihr nähert euch ja schon kampanien. zwischen neapel und rom noch eine kleine durststrecke. sozusagen mit eurem „casa vostra“ aus den fängen der cosa nostra über die ndrangheta zu den camorra …. ab dann gehts. Ab dann könnt ihr LIDL und seit letztem jahr auch ALDI eingeben und werdet finden.
    aber im ernst – ich an eurer stelle würde die märkte stürmen. gleich morgens in der früh – VOR der autobahn. die machen früh auf, haben frisches zeug und das angebot ist landstrichtypisch. weiter im norden gibt es ja dann auch die supermercatos, nicht schön, aber da bekommt ihr alles – parkplatz, frisches zeug, schuhe und nen neuen teppich, wenn ihr einen braucht.
    dabei fällt mir auf, was gebt ihr eurem goldfisch eigentlich zu fressen? der da so verloren in seinem glas auf dem grünen teppich vor fritz kraut steht? 😉
    tanti auguri – buon viaggio – a testa alta
    Ulrike
    (mit neidumwölkter stirne)

    • FritzKraut sagt:

      Ciao, Ulrike,
      auch wir lernen dazu und waren an diesem Wochenende schon etwas erfolgreicher beim zeitlichen Feintunening. Allerdings: stürmen und in aller Frühe, das ist so eine Sache. Was aufstehen, in-die-Gänge-kommen, frühstücken, reisefertig machen usw. betrifft, zeigen wir nach wie vor ein eher meditativ angehauchtes Largo. Wir hoffen auf den Norden!
      Liebe Grüße
      Werner und Louis

  3. Gabi sagt:

    Ey, kriegen Männer nichts geregelt, noch nicht mal einkaufen ist drin. Mal von der Autobahn weg und in ein Dorf oder eine Stadt?
    Ätna Bild ist super und euer kleiner Bulli auch. Macht es euch schön und erzählt auch von den guten Eindrücken. Was machen die signorine und ragazze?

    • FritzKraut sagt:

      Signorine, was für Signorine, wir haben nur Augen für die Kultur und den Baedecker! Oder was glaubst du, was wir machen? Einen Bildungs(urlaub)!, eine goethische Reise! Jedenfalls etwas, das uns weiter bringt im Leben.
      Es gibt unglaublich viele Italiener hier und die haben ihre Eigenheiten. Nicht nur fremdartige Essen: Pizza (60er Jahre), auch seltsame Öffnungszeiten (schon immer) und Mautautobahnen (aber nicht immer). Jetzt fahren wir Landstraße und entspannen das Versorungsproblem und fasst jeden Abend wird gekocht. Wir schaffen das.
      Ich hoffe, in Berlin ist alles gut.

  4. Mechtild sagt:

    Lese eifrig und bin naturgemäß ein bisschen neidisch…die Fotos sind super und helfen mir gerade durch ein graues kühles Wochenende, kein Garten Wetter…wünsche euch bessere versorgungsverhaeltnisse und nur kleine Abenteuer, der Nerven wegen, liebe Grüße mechtild

    • FritzKraut sagt:

      Hej, Mechtild,
      dass Du eifrig liest, freut uns. Das Schreiben macht uns Spass.
      Letzte Nacht in den Bergen hatten wir auch nur null Grad, wurden aber heute mit einem Sonnenuntergang am warmen Sandstrand entschädigt.
      Liebe Grüße
      Werner und Louis

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