Peloquero

Ich muss zum Friseur. Als ich vor nicht ganz zwei Jahren hier in El Puerto de Santa Maria war, hatte ich das gleiche Problem. Und das Glück, einen Barbier zu finden, der zwar noch weniger Englisch sprach als ich Spanisch, mir aber einen Haarschnitt verpasste, mit dem ich mehr als zufrieden war. Ich war so angetan, dass Beate davon ein Foto gemacht hat. Daran können sich die Berliner Friseure mal ein Beispiel nehmen. Aber: wo war das noch? Das war doch in El Puerto de Santa Maria, oder? Ich weiß es nicht mehr. Ich laufe kreuz und quer durch die Stadt. Aber nee, nirgends zu finden.

Zugegeben, ich habe da irgendwie so ein Trauma, was Friseure betrifft und greife deswegen gern auf Bewährtes zurück. Okay, was soll’s, es gibt ja wahrscheinlich auch noch Weitere, die ihr Handwerk verstehen. Ich suche mir einen kleinen Friseursalon, in dem nur der Chef schneidet (weil es keine Angestellten gibt). Mutig gehe ich rein, warte bis ich dran bin und nehme dann auf dem OP-Stuhl Platz. „Quiero cortame el pelo.“ schaffe ich ja gerade noch auf Spanisch. „¿Normal?“ kommt prompt die Frage des Maestros. Mmmhh, was ist denn bitteschön „normal“? Wenn ich mir die Plakate in dem Salon so ansehe, scheint mir das – mit Günter Grass gesprochen – ein weites Feld zu sein. Da ist von der fast Glatze über den Rundschnitt bis zum Undercut nun wirklich alles drin. Das trägt nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei. Dann fällt mir das Foto ein. Zwar habe ich das Smartphone von vor zwei Jahren nicht mehr (weil von Arschlöchern in Berlin geklaut), aber Google weiß ja alles und vergisst nichts. Und so findet sich Beates Foto in der Google-Wolke und ich kann dem Coiffeur meine Vorstellung bildlich vermitteln. Mit sicherer Hand nimmt er mein Smartphone, vergrößert die Ansicht und macht sich ans Werk. Was soll ich sagen? Ich hätte ihn gern dazu gebracht, seine Wirkungsstätte nach Berlin zu verlagern. Allein, er will nicht. Schade eigentlich.

Einen Tag später machen wir einen Ausflug ins nahe gelegene Cádiz, schlendern durch die Stadt, vorbei an der Kathedrale, dem Plaza de las flores, dem Mercado central und, ich traue meine Augen nicht, „meinem“ Friseur. Beim nächsten Mal werde ich ein Problem haben!

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4 Antworten zu Peloquero

  1. Gabi sagt:

    Ich vermisse ein Foto der neuen Frisur im Blog.
    Hier erstmal alles paletti.

    • FritzKraut sagt:

      Liebe Gabi,
      das mit dem Photo ist nicht ganz leicht. Er denkt über den Vorschlag von Rolf nach. Dann müsste er noch mal los gehen. Es kann also etwas dauern.
      Lieben Gruß, Werner

  2. Rolf sagt:

    Lieber Louis,
    zunächst, auch ich bin ein Traumatisierter auf diesem weiten Feld, meines bestand darin, dass mein Vater Friseur war, da gab es kein Entkommen. Er schnitt nicht so, wie ich es wollte, nämlich am liebsten gar nicht. Das hat sich nun etwas entschärft, mein Vater lebt nicht mehr und meine Haare…aber das ist ein anderes Thema.
    Ich bewundere deine Spanischkenntnisse! Ich hätte meinem Vater in mehreren Sprachen sagen können, ich will keinen Haarschnitt, auch auf Lateinisch, es hätte nichts gefruchtet. Aber ich schweife schon wieder ab, dein Kopf ist das Thema!
    Wo ist dein Problem, ist es ein Loyalitätsproblem? Wer darf demnächst ran an deine Locken?
    Uwe sagte früher immer, wir dächten viel zu oft in den Kategorien „Entweder/Oder“. Werner hat es kürzlich angedeutet, lasst uns auch vom Orient lernen: „Sowohl/als auch“. Heißt: du lässt demnächst eine Hemisphäre deines Kopfes, links oder rechts, in El Puerto de Santa Maria schneiden, der Haarkünstler in Cadiz macht den Rest und braucht nicht mal ein Foto dafür, er muss nur dafür sorgen, dass das Ganze symmetrisch wird (falls du das so möchtest).

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    • FritzKraut sagt:

      Lieber Rolf,
      ich habe lange darüber nachgedacht, über deinen Vorschlag. Louis auch. Ihm ist noch ganz blümerant davon. Und von dem Sherry. Er kann sich das glaube ich, nicht vorstellen. Ich denke da an so etwas wie Vokuhila, aber halt als Rekulila. Ob er das allerdings dem Friseur erklären kann? Er spricht ja sonst ganz gut spanisch, wenn auch nicht so viel über Campingplätze, weil das kaum in seinem Sprachkurs vorkommt. Aber das ist ein anderes Thema. Ob ihm die ganze Sache allerdings in den Kram, also auf den Kopf passt, weiß ich nicht.
      Lieben Gruß, Werner

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