Werner allein unterwegs

Desayuno mit Olivenöl für die Finger

Exkursion: Seit heute mittag bin ich allein unterwegs. Louis und Beate sind weiter mit Fritz Kraut unterwegs. Nächste Station: Ronda. Ich mache mich auf den Weg in die Extremadura, dem Landstrich, aus dem die meisten Konquistadoren Spaniens stammten. 

Hotel, Granada: Gehe in den Hauptbahnhof von Granada. Louis und Beate sind abgefahren. Ich bin das erste Mal seit beinahe zwei Jahren allein unterwegs. Wie sich das anfühlt? Unsicher, irritierend. Wie weiter? Geographisch. Am ehesten über Sevilla. Zwei, drei Verbindungen am Tag. Kein Zug. Busse. Mit dem nächsten käme ich gegen neun abends an. Dann Zimmersuche. Bleibe in Granada und finde per Net ein günstiges Hotel im Studenten-viertel. Ein Spaziergang, ein Eis, ein Bier in einer spanischen PuschlSportsbar, eine Pizza und der Tag draußen ist um. Lese noch in Jonathan Frantzens Buch „Purity“ und mache dann das Licht aus. Keine Euphorie, eher ein mulmiges Gefühl. Mal sehen, ob die Offenheit anhält. Ein wenig hat Louis Paranoia wohl auf mich abgefärbt. Nehme Geld und Wertsachen mit ans Bett. (Anmerkung des Lektors: „Komm Du mir nach Hause, Bürschchen!“)

Sevilla: Eine tolle Stadt. Kleines Zimmerchen, kleines Hotel null bis ein Stern. Super nett hergerichtet, freundlicher Empfang für 23 Euro pro Nacht. „Aus der Tür links am Ende gibt’s Desayuno. Bestelle eines mit der Bezeichnung Oferta und bekomme Orangensaft, café con leche, halbes bocadillo piccolo con jamon, halbes bocadillo piccolo con olio olivio(!). Reise das Plastikbechrechen auf, statt Marmelade läuft Olivenöl über Finger und Brötchen. Inmitten von Sevillianer*innen und spanischen Urlaubern fühle ich mich gut. Die Ersteren sind in Hektik und nur auf Zwischenstopp zur Arbeit, die Letzteren trödeln vor sich hin, bis sie wach genug sind und den Tagesplan besprochen haben.

Gestern war Chaos. Zu früh aus dem Zug gestiegen. EC-Karte weg. Telefonate, Onlinebanking, Bankbesuche, Kreditkarte ohne Pin. Meine Nachbarin Gabi war die Rettung. Sie holte eine iTan aus meiner Wohnung, mit der ich eine Pin für meine Visakarte einrichten konnte. EC-Karte gesperrt, Geld vom Cashpoint, alles gut. Bis zum nächsten Abenteuer.

Trinke den frisch gepressten Orangensaft und mache mich auf in die Altstadt vor der Tür.

Der gestrige Abend endete mit einem leckeren und wunderschön gespachtelten Eis. Mit so einem Gefühl sollte mensch immer ins Bett gehen. Mindestens!!

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